Letzter Wegpunkt am 30.01.04

Das "TAGEBUCH" der Weltreise der Därrs

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25.08.08 Dogubayazit (Türkei)

Durch den Iran
Oben in den Bergen auf 1900 m liegen die Grenzgebäude bei Badjgiran. Als wir nach etwa einer Stunde die Ausreise aus Turkmenistan hinter uns haben, lege ich langärmlige Jacke und Kopftuch an, passend nach iranischer Kleiderregel für Frauen gekleidet. Dort muss ich dann in einem Warteraum mit Stühlen und Fernseher warten, bis die Männer die Formalitäten erledigt haben. Alles geht recht zügig und sehr freundlich voran, nach etwa einer dreiviertel Stunde heißt es fertig. Einer schaut noch kurz ins Auto, soll´s das gewesen sein? Keine Kontrolle auf unzulässige Zeitschriften, Schweinfleisch und Alkohol? Kurz darauf erfolgt noch eine Militärkontrolle und in einem Hof mit Gebäude und Toren auf beiden Seiten der Straße, etwa 3 km unterhalb der Grenzstation, werden wir zur Seite gewunken und nach Papieren gefragt die wir nicht haben. Es spricht keiner englisch, so dass Ilya ins Auto ein Iranischer Schlepper gesetzt wird, der uns wieder nach oben zur Grenzstation begleitet. Dort dauert es dann nochmal eine gute halbe Stunde bis wir ein weiteres Papier – eine Art Transportgenehmigung für LKWs mit erlaubter Transitstrecke bekommen. Dann dürfen wir wieder nach unten, wo der Schlepper frech wird, denn er will für die Tätigkeit Geld, two Dollars sagt er, meint aber 10 Dollar. Erst als Klaus heftig wird und die Polizei dort fragt, für wen das Geld eigentlich sei, denn der Schlepper sagt, „for police“, was diese wieder bestreiten, gibt er dann auf.
Als wir am Abend dann an einem schönen wild-Campingplatz am Fluss die Papiere studieren, merken wir, dass wir nach der zweiten Kontrolle in dem Hof als Fracht-LKW und nicht als Touristenfahrzeuge eingestuft wurden und laut der Papiere den direkten Weg nach Bazargan an die türkische Grenze nehmen müssen und das innerhalb fünf Tagen. Das ist gründlich schief gegangen, so dass wir am nächsten Morgen wieder zurück zur Grenze fahren und den Irrtum aufklären. Wir bekommen auf das Papier die Telefonnummer des Beamten an der Grenze geschrieben, falls wir Probleme bekämen, ansonsten heißt es müssen wir uns an den vorgeschriebenen Kontrollpunkten für LKW nicht melden.
Die weitere Fahrt durch den Iran nach Mashad, dort Besichtigung der heiligen Stätten – Tchador ist Pflicht- und einiger interessanter alter Städte am Weg, erreichen wir nach einem Abstecher ans Kaspische Meer Teheran.
Abgesehen von der ungemütlichen Bekleidung für Frauen, ist der Iran ein angenehmes Reiseland mit sehr freundlichen Menschen, die bei weitem nicht so rückständig sind, wie man angesichts der fundamentalistisch-islamischen Regierung erwarten würde. Die Frauen kleiden sich trotz der im Land auferlegten Vorschriften recht flott mit Kopftuch und hüftlanger Jacke mit Gürtel, durchaus mal in lebhafteren Farben und die Haare schauen vorne und hinten vor. Gelegentlich sehen wir sogar hochhackige Schuhe. Nur im ländlichen Bereich sind die Frauen von Kopf bis Fuß im Tchador verhüllt, der aber locker über die sonstige meist moderne Kleidung darunter, geschlungen ist. Keiner zieht den Schleier vors Gesicht wie in Arabien oder in der Osttürkei. Bei Einladungen die recht häufig sind, sind die Frauen samt und sonders modern gekleidet und ohne Kopftuch. Viele sprechen Englisch und bei Besichtigungen der großartigen Städte Isfahan und Shiraz, aber auch in der Hauptstadt oder am Kaspischen Meer werden wir pausenlos angesprochen. Baden ohne Kopftuch und langärmliger Kleidung geht für Frauen nicht, das erleben wir an einem See im Alborzgebirge, wo ich mich notgedrungen auch mit voller Montur ins Wasser begebe. Ansonsten lässt sich die Sommertemperatur im Gebirge – oft über 2000 m – gut aushalten. Das Zagrosgebirge ist wildromantisch, aber Touristen sind dort nicht anzutreffen, so dass wir dort noch mehr bestaunt werden als anderswo. Leider reichen die Englischkenntnisse auch nicht weiter als zu den Floskeln „Where do you come from“ oder „what´s your country“, „thank you“ und „good bye“, so dass die Gespräche etwas eintönig werden. Ein letzter Höhepunkt ist die Festung Takht-e Soleyman, ein alter Kultplatz mit Kratersee mitten im Gebirge, bevor wir dann im kurdischen Teil Irans, in dem mit Kuhfladen gekocht wird und die Häuser aus einfachen Lehmziegeln gebaut sind, und der Müll sich an den Straßenrändern entlang zieht, zur türkischen Grenze fahren. Dort sind wir nach etwa zwei Stunden fertig und ich kann endlich mein Kopftuch und die langärmligen Sachen ablegen.
28.07.08 Ashgabat

Entlang der Seidenstraße durch Usbekistan und Turkmenistan
Nach langem Warten auf das Usbekistanvisum in Bishkek, aber hervorragendem Standplatz beim „Steinbräu“, geht es über herrliche Gebirgsstrecken weiter nach Süden in Richtung Osh. Von dort über einen wenig befahrenen Grenzübergang ins Fergana-Tal nach Usbekistan. Dort will man und nach erfolgter Einreise etwa 50 km weiter auf einer Bergstrecke wieder zurückschicken, da der Pass und diese Straße für ausländische LKWs nicht erlaubt ist. Die einzige andere Möglichkeit, würde aber zurück nach Kirgisistan und dann erst bei Osh wieder nach Usbekistan führen. Da wir aber weder eine zweite Einreise für Usbekistan noch ein neuerliches Visum für Usbekistan haben, erhalten wir nach längerer Diskussion die Erlaubnis weiter zu fahren. Das Fergana-Tal, Baumwollanbaugebiet hat touristisch nicht viel zu bieten, so dass wir schnell nach Tashkent weiterfahren. Von dort geht es dann über die geschichtsträchtigen Städte Samarkand, Buchara nach Chiva. Von Stadt zu Stadt werden die Moscheen, Medresen und islamischen Bauwerke prächtiger und faszinieren durch ihre blau-türkis gekachelten, mit Rankenmustern verzierten Kuppeln und Fassaden. Das Essen, v.a. in Buchara am Hauptplatz um den Teich mit Springbrunnen, dem frisch gezapftem Bier und den gegrillten Schaschliks, ist hervorragend, wenn auch nicht besonders abwechslungsreich.
Chiva, die unbekannteste der Seidenstraßenorte gleicht einer Museumsstadt und Kulisse aus 1000undeiner Nacht, denn die Altstadt wurde unter den Sowjets komplett restauriert und die Fassaden der Lehmbauten, die herrlichen Kacheln und Minarette suchen ihres gleichen.
Von dort geht es nach Urgench und zur Grenze nach Turkmenistan, wo uns unsere, über David Berghof von Stantours http://www.stantours.com/ in Almaty gebuchte Führerin Elena erwartet. Turkmenistan darf man nur über Agentur gebucht, bereisen in Begleitung eines Führers. Diese Genehmigung muss man an der Grenze vorweisen und darf dann nach einigem Papierkram der zwei Stunden dauert, einreisen. Die alten Bauwerke, Mausoleen, Moscheen und Medresen in Keney Urgench, dem alten Urgench, sind bei weitem nicht so gut erhalten wie in Usbekistan, so dass wir etwas lustlos bei großer Hitze die Bauwerke besichtigen. Auf dem Markt kaufen wir noch das Nötigste und ich (Erika) werde wieder von den Frauen, wie schon in Usbekistan, herzlich in Empfang genommen, betätschelt, umarmt, fotografiert. Vielleicht gefällt den Frauen, dass ich genauso füllig bin wie sie, jedoch einige Jahre älter.
Die Wüstenstrecke nach Darvaza ist nicht besonders aufregend, die Straße löchrig und ausgefranst, manchmal ist der Asphaltbelag gar nicht mehr vorhanden. Sehr schön ist die Fahrt über die Dünen und Sandstrecke zu dem 8 km von der Straße im Osten gelegenen Gaskrater, einem riesigen Loch, das durch die Explosion einer Erdgasbohrung entstanden sein soll. Aus dem Krater entweichen nun an den Seitenwänden an hunderten von Stellen Gase die seit über 30 Jahren brennen. Besonders eindrucksvoll ist der brennende Krater bei Dämmerung und Dunkelheit. Wir campen oberhalb und genießen den ungewöhnlichen Blick auf den glühenden Abgrund. Die durch die Flammen beleuchtete gegenüberliegende Kraterwand leuchtet in der Schwärze der Nacht wie ein glühendes UFO.
Die weitere Strecke zur weißen, klinisch sauberen Retortenstadt Ashgabat mit der sich der Diktator und ehemalige Präsident, genannt Turkmenbashi verewigt hat, geht dann schnell, denn die restliche Strecke ist neu ausgebaut. In der Hauptstadt beziehen wir ein Hotel, was angesichts der Temperaturen um die 40 Grad eine Wohltat ist. Die Häuser, Moscheen, Brunnen und marmorweißen Hochhäuser im Moskauer Stil sind eindrucksvoll, die breiten Straßen fast leer und die Einkaufszentren mit gepflegten Restaurants, Spielhallen, Tischtennis und Pool-Billardtischen sehr erstaunlich in diesen Breitengraden. Das Visum für den Iran erhalten wir nach Beantragung einer Referenznummer für das Touristenvisum das wir drei Wochen vorher über das Internet http://iranianvisa.com/ beantragt hatten, innerhalb eines Tages, dann geht es an die nur wenige Kilometer entfernte Grenze.
01.07.08 Bishkek

Durch Kasachstan nach Kirgisistan
Die Weite Kasachstans schlug uns gleich in den Bann. Wüsten, Weiden, schroffe Berge mit Schneegipfeln, sanfte Hügel mit Blumenwiesen und überall weidende Pferde, Schafe, Ziegen, gelegentlich auch Kamele. Plötzlich mussten wir uns nicht mehr hinter LKWs mit exotischen chinesischen Namen oder blauen Dreiradfahrzeugen – genannt der blaue Pfeil – quälen, sondern begegnen auf meist freien Straßen MAN, Scania, Mercedes und gelegentlich russischen Kamas-LKWs. Auch Pkws der Marken VW und Audi und je näher wir der Hauptstadt kommen zunrhmend Luxuskarossen der Marke Hummer, Daimler oder BMW, begegnen uns wie auch Reiter zu Pferd, Eselskarren oder Pferdekutschen. Die kleinen Häuser mit Gartenzäunen und Blumenrabatten erinnern uns an russische Datschas oder rumänische Dörfer. Es gibt wieder europäisches Brot – Weiß- oder Schwarz in Kastenform, aber auch Fladen mit Fleisch eingebacken oder Schaschlik mit Brot. Ab und zu spricht jemand deutsch und viele Menschen sind blond. Die Landstraßen sind nicht mehr eingezäunt oder auf hohen Dämmen, so dass man jederzeit anhalten oder rausfahren kann. Die Campingplätze in der Natur sind so zahlreich wie die Pferde hier und wir haben noch das Glück, dass derzeit die Blumen in gelb, blau, rosa oder weiß blühen und einen herrlichen Kontrast zu den Schneebergen und Flusstälern abgeben.
In der Hauptstadt Almaty, sehr modern mit vielen Hochhäusern und Shops der Edelmarken, - der Ölboom lässt grüßen -, kann man gut einkaufen oder speisen, wenn auch zu europäischen Preisen. In den Supermärkten ist die Hälfte der Waren deutscher Herkunft und auf dem Markt gibt es plötzlich wieder Geräuchertes, Speck, Käse, Quark und Salami und bestes Steakfleisch. Wir kommen uns vor wie im kulinarischen Himmel und kaufen gleich kräftig ein. Auf das Kirgisistan-Visum müssen wir dann überraschenderweise nur zwei anstatt der angekündigten vier Tage Eilbearbeitung warten und können dann über einen Abstecher in den wunderbaren Sharyn-Canyon über eine klitzekleine Grenzstation im Südosten nach Kirgisistan ausreisen, umgeben von Blumenwiesen und schneebedeckten Gipfeln der umliegenden Tien Shan-Berge an der Grenze zu China.
16.06.08 Khorgas

Durch Chinas Nordwesten entlang der Seidenstraße
In Xian, der alten Hauptstadt des Tang-Reiches finden wir einen grandiosen Platz am Rande der Stadtmauer, direkt vor der Jugendherberge. Hier gibt es nicht nur zahlreiche Sehenswürdigkeiten aus den vergangenen prunkvollen Dynastien Chinas, sondern auch die berühmte zweitausend Jahre alte Terracotta-Armee des ersten Qin-Kaisers, der China einte und die ersten Teile der chinesischen Mauer errichten ließ. Hier in dieser Stadt beginnt die Seidenstraße, auf der schon Handel mit den Nachbarvölkern seit dem 6. Jh. betrieben wurde, aber die sich erst so richtig zum Westen nach der Fertigstellung der großen Mauer im 14. Jh. öffnete.
Wir sehen Felsklöster auf dem Weg nach Pingliang und die wunderbaren Magao-Grotten, Weltkulturerbe, bei Dunhuang, wo buddhistische Malereien und Höhlenklöster seit dem 4. Jh. die Zeit überdauert haben. Dort liegen auch die großen Sanddünen mit dem Mondsichelsee, Ausläufer der Gobi-Wüste. Etwas kurios und auch Geldschneiderei ist die chinesische Politik nicht nur kulturelle Sehenswürdigkeiten mit hohen Eintrittspreisen zu belegen, sondern auch bei landschaftlichen Schönheiten wie Wasserfällen, die Dünen hier oder später beim Himmelsee, horrende Eintrittspreise zu verlangen. So sind umgerechnet zwischen 12 und 18 Euro pro Person für solche Stätten fällig und das nicht nur für Ausländer, sondern auch für die Einheimischen.
In der Uiguren-Provinz Xinjiang und davor in Gansu erleben wir dann die Freiheit des wild Campens in der Natur vor herrlichen Bergkulissen der Fünftausender, die wir in Südchina schmerzlich vermissen mussten, da sich außer Parkplätzen bei Sehenswürdigkeiten oder Hotels wenig Plätze zum frei stehen anboten. Das führte unweigerlich dazu, dass wir von großen und kleinen Chinesen hautnahe besichtigt und angestarrt wurden, was dann nach einem Monat schon langsam nervig wurde, genauso wie das geräuschvolle ausspucken des allgegenwärtigen Publikums auf den Boden. In Urumqi genossen wir dann die leckeren Kebabs und Schaschliks mit köstlichem Fladenbrot, anstatt exotischer chinesischer Küche mit Innereien und ganzen Hühnerköpfen und Krallen in der Suppe oder eingelegten Entenfüßen, Schlangen und Schildkröten.
Nach einer neuerlichen Getriebereparatur, die kaputten Zahnräder und Sicherungsringe waren als Ersatzteile in Peking glücklicherweise vorhanden, konnten wir uns dann endlich auf zur Grenze machen. In Khorgas konnten wir zwei Tage verspätet ausreisen, weil ein neuerdings erforderliches Papier „wegen Olympiade“ hieß es, fehlte. Was dazu führte, dass wir dann erst wieder im 90 km entfernten Yining unsere Visa verlängern lassen mussten und auch der Führerschein und das Kennzeichen einen Tag vor Ausreise abliefen. Das hat dann wenigstens niemand an der Grenze gestört, wenn es auch zuvor in der Nacht im Grünen vor Yining noch etwas stressig wurde, weil uns erst das Militär, dann die Polizei, angeblich aus Sicherheitsgründen nachts um drei in die Stadt zu einem Hotel eskortierte. Campen von Ausländern ist rund um Yining verboten. Die Stadt ist eine von drei Sperrzonen hören wir. Der Aushang mit den Vorschriften ist aber nur bei der Polizei selbst zu sehen und erst als wir unsere Genehmigungen vorweisen, die auch besagt dass wir campen können, werden die Beamten etwas freundlicher. China ist nervös seit den Unruhen in Tibet und auch Xinjiang zählt als Problemprovinz. Letztendlich sind wir nach dem Erlebnis froh endlich in Kasachstan zu sein, auch wenn es fünf Stunden dauerte bis wir beide Grenzen hinter uns hatten.
15.05.08 Xian

Abenteuerliche Durchquerung Südchinas
Die Einreise nach China, von Boten in Laos aus, gestaltete sich nicht weiter problematisch. Unser Führer Wang Cong, ein lockerer 29jähriger Nordchinese, erwartete uns dort bereits und erledigte die Papiere. Wir mussten lediglich selbst noch ein Formular ausfüllen, in dem wir bestätigten, dass wir gesund sind und an keiner ansteckenden Krankheit leiden. Als wir dann alles fertig hatten, mussten wir zur Provinzstadt Mengla zur Traffic Police, wo wir noch den chinesischen Führerschein und das Nummernschild nach einer Art Mini-TÜV mit Bremsprobe bekamen. Da wir zum Wasserfest ankamen, wurden wir ausgiebig von Passanten und Jugendlichen auf der Pritsche vorbeifahrender LKWs mit Eimern voller Wasser oder Spritzpistolen begossen. Wir schossen aus Spray-Flaschen zurück, was ein Heidenspaß war, weil sie das von Touristen nicht erwartet hätten. Wir hatten dann noch Gelegenheit am nächsten Tag im sogenannten „Olivendorf“ direkt am Oberlauf des Mekongs eine Feier und einen Markt anlässlich des jährlich im April stattfindenden Festes zu beobachten. Hier sieht man die Trachten vieler im Süden ansässiger Minderheiten, ein Drachenbootrennen mit Damenmannschaften in Pastellfarbenem Kostüm gekleidet sowie einige ansehnliche Raketenstarts und Feuerwerkskörper.
Die Autofahrten im Süden durch die steil abfallenden Berglandschaften gestalteten sich jedoch als etwas kompliziert. Sofern man nicht auf der mautpflichtigen hervorragenden Autobahn fährt bzw. diese nicht weiterführt, muss man wohl oder über auf den ebenfalls mautpflichtigen Landstraßen der Kategorie G fahren. Diese sind meist in einem jämmerlichen Zustand mit Schlaglöchern und Teerresten oder an den Baustellen einspurig, wo sich dann LKWs und hupende Busse und wild in den Gegenverkehr hineinfahrende PKWs und Geländewagen einen Kampf auf der Straße liefern. So kommen wir hier nur mit Durchschnittsgeschwindigkeiten von 20 km/h weiter. Unser Zeitplan kommt hier schon einigermaßen ins Wanken. Aber nichts desto Trotz erreichen wir Guilin mit seinen wunderschönen Zuckerhutbergen und toller Flusslandschaft just in time. Danach geht es ebenso abenteuerlich auf einer Schlammstrecke weiter, die in der Karte als rote Hauptverbindungsstrecke eingetragen ist. Die schönen, aber armen Dörfer der Minderheiten mit sogenannten Regen-Windbrücken, Drachen- und Trommeltürmen, Reisterrassen und ländlichem Leben wie im Mittelalter, entschädigen uns dann wieder für die Unannehmlichkeiten des Straßenverkehrs. Die modernen Großstädte Kunming und Chongqing mit neuen Stadtzentren und wenigen Relikten aus dem alten China, dienen eher für uns als Versorgungszentren mit Supermärkten und guten Restaurants, aber nicht als tatsächliche Highlights in punkto Sehenswürdigkeit.
In Chengdu, der großen Hauptstadt der Provinz Sizchuan, erleben wir in, und vor der Ausländerbehörde am 12. Mai das Erdbeben hautnah. Es rumpelt mit der Stärke 5 auf der Richterskala als wir auf der Bank im Gebäude sitzen und auf Cong und unseren Freund Ilja warten, der sein Visum verlängern muss. Bald sammelt sich die Bevölkerung der umliegenden Häuser mitten auf der großen Kreuzung wo man am sichersten vor einstürzenden Gebäuden ist und es bald darauf ein starkes Nachbeben gab. Alles ist aufgeregt und will telefonieren, aber bald sind die Leitungen zusammengebrochen. Abends lagern die Menschen auf den Grünstreifen an den Straßen, in Klostergärten und Parkanlagen mit Planen und Zelten, das sie Angst haben in ihre Häuser zurückzukehren. Wir stehen vor dem Gartenrestaurant nahe dem Panda-Reservat recht sicher, aber auch dort hat es Dachziegel beschädigt und viele Leute lagern unter Planen neben unseren LKWs. In den nächsten Tagen auf der Weiterfahrt nach Norden, noch näher am Epizentrum des Erdbebens, sehen wir noch wesentlich stärkere Beschädigungen und eingestürzte Lehmhäuser und Dachstühle. Von Norden kommend sind Kolonnen von Hilfstransporten unterwegs ins Erdbebengebiet. Wir erleben noch zahlreiche Nachbeben, bis wir im 800 km entfernten Xian in Sicherheit sind. Vom tatsächlichen Ausmaß der Katastrophe mit fast 90 000 Toten erfahren wir endgültig erst fast vier Wochen später.
08.04.08 Luang Prabang

Durch das ursprüngliche Laos
Bereits zum zweiten Mal reisen wir nach Laos ein, denn den Nordwesten haben wir bereits von Thailand aus im Februar besucht. Bei der Ausreise aus Thailand haben wir wie üblich eine Kopie des „Laissez passez“ gemacht, das wir bei der Einreise in Houay Xai am Mekong bekommen haben. Da den Beamten das Lesen der europäischen Fahrzeugdokumente in lateinischer Schrift meist schwer fällt, hat es zumindest in Thailand zu einer leichteren Bearbeitung der Formulare geführt.
Aber nicht hier an der Grenze, die nur aus zwei Bambushütten besteht. Sie wenden die Kopie hin und her und fragen nach dem Original und deuten auf den Stapel säuberlich gefalteter Original-Laissez-passez mit einem grünen Zettel versehen, die offensichtlich von gerade eingereisten Fahrzeugen stammen. Wir deuten darauf und sagen, dass wir ein neues Formular wollen, die Kopie wäre alt. Was wieder zu der Frage führt, wo denn das Original der Kopie sei. Wir versuchen zu erklären, dass wir bereits das zweite Mal einreisen und das Original an der Grenze zur Freundschaftsbrücke in Vientane läge.
Aber keiner versteht was, irgendwie scheint auch der grüne Zettel an den Dokumenten wo anders her zu sein, jedenfalls wollten die Zöllner bei der Ausreise in Vientane auch den grünen Zettel den wir von der Einreise her nicht hatten. Nach einiger Konfusion winken uns die Zöllner schließlich ohne Fahrzeugdokument durch. Wir verstehen was von Pakse und stellen uns nach Besichtigung der Eindrucksvollen Mekongfälle in der Provinzstadt dem Zoll. Die sind genauso ratlos wie ihr Kollegen an der Grenze und wollen immer wieder das Original des ersten Einreisedokuments. Erst als wie einen Chef vor uns haben der etwas englisch kann, meint der, das „laissez passez“ bekämen wir nur an der Grenze nicht bei ihnen. Als wir uns aber weigern, zurück zu fahren, meint er schließlich wir könnten fahren, wir sollten halt die Kopie vorzeigen wenn jemand danach fragt. Warum kann kein Grenzübergang wie der andere sein und warum ist die Handhabung überall verschieden, selbst in ein und demselben Land? Wir werden das nie begreifen.
Ansonsten ist die Fahrt entlang des Mekongtales hübsch, auch wenn wir selten direkt am Fluss fahren. Der Süden ist deutlich entwickelter als der abgelegene Norden den wir im Februar bereist haben. Hier haben uns vor allem die ursprünglichen Dörfer in denen sich das Leben direkt auf der Straße neben den Häusern abspielt besonders begeistert. Auch zahlreiche Bergvölker wie sie in Burma und Nordthailand zu finden sind, bewohnen hier die Berge. Man trifft auf Akka und im Nachbardorf auf Hmong mit ihren orangebestickten Trachten und bunten Plisseeröcken oder die Männer in schwarzblaue Tafthosen gekleidet.
Ähnliche Eindrücke bieten sich uns als wir von der Ebene der Tonkrüge im Osten nach Norden in die nach Vietnam hineinragende Provinz Hou Phan fahren. Schweine, Enten, Hühner, Hunde, Wasserbüffel, Kühe, Kinder und Besenbindende Frauen säumen die Straßen oder benutzen diese als Arbeits- oder Ruhefläche. Die kleinen Kinder haben einfachheitshalber gar keine Hosen an, damit das was runterfällt nicht die Hosen beschmutzt. Schweine und Hunde fressen dann die Exkremente. Wir können gar nicht alles aufnehmen was hier an Dorfleben auf uns eindringt. Eine archaische Welt aus einem vergangenen Zeitalter, wären nicht ab und zu die von Batterien betriebenen Satellitenantennen für den Fernseher. Der Vorteil dieser Subsistenzwirtschaft in Bergregionen zwischen 1000 und 1400 m liegt darin, dass im Gegensatz zu Kambodscha kaum Müll herumliegt, denn die Leute leben von dem was sie selbst anpflanzen und ernten. Das heißt aber auch für uns in den wenigen Städten einkaufen, was man so als Europäer gerne hat, denn Milch, Joghurt, Brot gibt es nur dort wo Touristen sind und dann auch nur in kleinen Läden. Käse ist so selten, dass man ihn schon in Vientane in den kleinen Europäer-Supermärkten kaufen muss, von Wurst ganz zu schweigen.
Nur wenige Straßen in Laos, im Wesentlichen einige Verbindungen nach Vietnam, oder die Süd-Nordtangente entlang des Mekong bis Vientane und hinauf nach Luang Prabang und zur chinesischen Grenze sind geteert, dazwischen gibt es nicht viel außer schmalen roten Erdpisten die sich bei Regen, der nun schon häufiger wird, in glitschige Rutschbahnen verwandeln. Ein Ausflug zum Wasserfall Tad Leuk gestaltet sich zum Elefantenähnlichen Durchbruch durchs Bambusdickicht auf schmaler mal glitschiger mal steiniger Piste. Dafür werden wir am Wasserfall mit einem prächtigen Fleckchen zum campen mit Blick auf den Wasserfall und nahegelegener Badestelle im Fluss belohnt.
Die Pistenausflüge halten sich somit in Grenzen, aber man wird in Laos mit viel Wald, zerklüfteten Berglandschaften und steil aufragenden urwaldbewachsenen Kalksteinformationen belohnt, sofern man nur ab und zu einen Abstecher in Richtung Osten oder in den äußersten Norden macht.
Vom Nordosten fahren wir dann wieder zurück in die Weltkulturerbe-Stadt Luang Prabang mit ihren herrlichen Klöstern und wunderschönen Kolonialbauten, gemütlichen Cafés und Restaurants und einer touristischen Infrastruktur die seinesgleichen im ganzen Land sucht. Hier finden wir wieder bei den einfachen Bungalows des Phou Vao Guesthouse einen netten Standplatz wo wir auf unsere Einreisegenehmigung nach China warten. Diese wird uns wegen der Unruhen in Tibet und nach geänderten Reiseplänen und Streichung unserer ursprünglich geplanten Route durch Tibet nach Nepal am 8.4. mit Ausreise nach Kasachstan Mitte Juni gewährt.
12.03.08 Kratie

Von Thailand nach Kambodscha
Zum dritten Mal in Thailand fahren wir von Bangkok nach Kambodscha. Wir wählen die Hauptgrenze bei Aranyaprathet wo es „Visa on arrival“ gibt. Die bekommen wir gegen 30 $ und 1 $ zusätzlich für den Beamten recht schnell, aber das heißt noch nicht, dass wir schon den Einreise-Stempel im Pass haben. Dafür muss man Schlange stehen, denn Touristen sammeln sich hier zahlreich. Die Zeit vergeht und wir haben das Gefühl, nichts geht vorwärts. Als wir dann nach 1 ½ Stunden dran sind, müssen die Leute hinter uns warten. Denn wir haben zwischen den Grenzen den Pass gewechselt, weil unser China-Visum im Zweitpass ist und wir irgendwann den Wechsel machen müssen. Dass aber der Kambodschaner unbedingt unseren Ausreisestempel aus Thailand sehen will, damit haben wir nicht gerechnet.
Er blättert vor und zurück, dasselbe nochmal, dann wieder von vorne. Als er zum dritten Mal meinen Pass durchblättert frage ich ob er den Thailandstempel sucht. Das versteht er, auch wenn er nur wenig der englischen Sprache mächtig ist. Klaus zieht die Erstpässe mit dem Thailandstempel raus und überreicht sie dem Beamten. Der zeigt sie seinem Kollegen daneben, der die Pässe in denen Schmiergeld liegt und die über die Hintertür reinkommen bearbeitet (für eilige Touristen). Der fragt mich, warum wir das Kambodschavisum nicht im Pass mit dem Thailandvisum haben. Als wir ihm das mit China erklären, versteht er das nicht so recht und nun liegen die beiden Pässe nebeneinander auf dem Tisch. Das Blättern beginnt von vorne. Es dauert 15 Minuten, nichts tut sich, offensichtlich wartet der Uniformierte auf ein paar Dollarnoten. Er hat nicht mit unserer Ausdauer gerechnet. Irgendwann ist er es dann selbst leid und trägt dann neben das Visum und den Stempel auch noch die Nummer des ersten Passes ein. Na also, warum nicht gleich. Nun fehlt noch der Zoll. Der liegt an der Hauptstraße im Ort etwa 300 m weiter. Dort erbarmt sich uns ein Beamter und unterbricht seine Mittagssiesta und geht mit Klaus in das Zollgebäude. Klaus überreicht im den Pass und die Autopapiere. Aber das genügt im nicht, Autopassport will er - Autopassport, was ist das denn? Klaus zeigt ihm das thailändische „Laissez Passez“, das wir in Kopie haben, aber damit kann er nichts anfangen. Autopassport, Autopassport wiederholt er. Als er Klaus Unverständnis merkt kramt er plötzlich in einer Ablage und holt einen abgerissenen Abschnitt eines „Carnet de Passage“ hervor. Ah – Carnet, meint Klaus, voilá hier ist es – und legt unser abgelaufenes Zolldokument vom ADAC auf den Tisch. Der Beamte knallt vor lauter Begeisterung, dass er nun das gewünschte Dokument vorliegen hat, den Stempel ins Papier, reißt den Abschnitt ab und übergibt uns das Papier. Klaus sucht schnell das Weite, bevor der Zöllner merkt dass das Carnet seit Januar nicht mehr gültig ist.
Auf mörderischer Schlagloch und Baustellenpiste geht es 170 km bis Siem Reap, die Stadt die durch Angkor Wat bekannt wurde. Dort finden wir vor dem noblen Angkor City Hotel, eine kostenlose Bleibe auf dem Parkplatz, denn auf den Parkplätzen des nördlich gelegenen Ruinengeländes darf man nur bis 18.30 Uhr stehen.
Drei Tage rennen wir durch die verschiedensten Ruinengelände im näheren und weiteren Umkreis von Angkor und sind vor allem von den in dicken Wurzeln und Lianen umfangenen Ruinen von Ta Prohm fasziniert die über und zwischen den Ruinen nach oben wachsen. 20 m hohe Kapokbäume scheinen die Gebäude fast zu erdrücken. Auch das Bayon, ein Tempel mit unzähligen Gesichtern aus Stein die einem mit unbeweglicher Miene zu beobachten scheinen ist faszinierend, ebenso wie die in Stein gehauenen Reliefs der Mythen Asiens in den Wandelgängen von Angkor Wat.
Auch Phnom Phen, einstmals schönste Stadt Südostasiens ist eine Reise wert, auch wenn der Verkehr dort mörderisch ist. Die Silberpagode und der Königspalast haben die Wirren der Roten Khmer-Zeit unbeschadet überstanden und auch entlang des Mekong lässt sich herrlich flanieren und das Leben beobachten. Alte renovierte Viertel mit Kolonial-Flair wechseln sich mit herunter gekommenen Mietskasernen und schmutzigen Marktvierteln ab. Wir müssen uns das Visum für Laos besorgen, denn an der kürzlich eröffneten Grenze zum Nachbarland gibt es das „visa on arrival“ nicht.
Erwähnenswert sind in Kambodscha noch die schönen farbig angemalten Stelzenhäuser in den hübschen Dörfern und die Mopeds, welche unermessliche Transportkapazitäten zu haben scheinen.
So reihen sich auf dem Rücksitz auf einer Art Rost zwei bis drei lebende Schweine mit ausgestreckten Beinen rücklings, dutzende Hühner kopfüber am Lenkrad, oder eine ganze Schrankgarnitur, drei Doppelbettmatratzen oder gar Korbmöbel rings um den Fahrer in der Breite eines LKWs. Das wäre alles sehr malerisch, aber aufgrund der katastrophalen Fahrweise der Autofahrer die sich hupend im Schnelltempo den Weg bahnen, ist das Fortkommen natürlich höchst Unfallträchtig.
Wir sind froh als wir Kratie erreichen, wo man an einem hübschen Aussichtspunkt oder per Bootsfahrt die Flussdelfine im Mekong beobachten kann. Von dort ist es auf neuer Straße nicht mehr weit bis zur laotischen Grenze.
07.02.08 Phrao

Ein Abstecher von Thailands Norden nach Burma
In Phrao besuchen wir die Thai Horsefarm http://thaihorsefarm.com/ von Boris Mimietz, einem Berliner, der hier Pferdetrekking zu den Bergvölkern, als auch Touren mit 2-4 Teilnehmern im Geländewagen nach Burma oder Laos unternimmt. Mit seinem Sohn Aron starten wir im Suzuki-Geländewagen mit Panoramascheiben nach Mae Sai an die Grenze und übernachten dort im gleichnamigen Gästehaus am Fluss. Wir befinden uns im berüchtigten Goldenen Dreieck, im Grenzbereich der Länder Thailand, Burma und Laos, das durch den Opiumhandel bekannt wurde. Mittlerweile hat sich der Handel mehr in den Norden bis zur Grenze Chinas verlagert, so dass man mittlerweile vom Goldenen Viereck spricht. Schlafmohn wird in den Ländern nach wie vor in den abgelegenen Gebirgsregionen angebaut, jedoch ist es Thailand gelungen den Handel und Anbau stark zurückzufahren, während das Militärregime Myanmars, wie Burma jetzt heißt, den Anbau nach wie vor nicht im Griff hat und angeblich auch am Handel kräftig mit verdient. Wir interessieren uns jedoch mehr für die Kultur und die Bevölkerung dieses Teiles der nordöstlichen Shan-Provinz.
Weite Teile dieser immer etwas aufmüpfigen Provinz kann man nicht bereisen, jedoch von Thailand aus, kann man einen kleinen Zipfel über Chiang Tong oder Kengtung bis zum Spielerparadies Mengla an der chinesischen Grenze bereisen. Dafür ist an der Grenze in Tachilek ein einigermaßen aufwändiger Papierkrieg zu erledigen. Man muss die genaue Route angeben die auf einem Art Routenplan vermerkt wird, dann gibt es einen Passersatz mit Fotos und allen Daten, während der Originalpass an der Grenze einbehalten wird. Auch für das Fahrzeug gibt es ein vorübergehendes Einreisepapier. Mit zahlreichen Kopien ausgestattet starten wir unseren Weg nach Norden. Erst wird jedoch bei den zahlreichen chinesischen Geldwechslern am Markt getauscht und im Teehaus ein paar aromatische mit Fleisch gefüllte Teigtaschen konsumiert. An den Posten mit Schlagbaum entlang der Strecke muss man dann jeweils eine Kopie beim Zoll, bei der Polizei, bei einer Art Geheimdienst und noch einer vierten Stelle hinterlassen. Die gleiche Prozedur findet dann nochmal in den Städten bei der Immigration statt.
Die kurvige Straße durchs Gebirge führt durch herrliche Gebirgslandschaft, entlang reißender Flüsse und durch ursprüngliche Dörfer am Wegesrand. Mehrmals halten wir, und Aron, des Thai und ein wenig der Lahu-Sprache mächtig, versucht Kontakt mit den verschiedenen Völkern, die hier wie in Thailand ähnlicher Herkunft sind, herzustellen. Mit einem freundlichen Lächeln und einen Blick in den Display der Digitalkamera bricht das Eis schnell und wir haben bald schöne Erinnerungsfotos im Kasten.
In Kengtung gibt es einige schöne Tempel zu besichtigen, aber wir sind entsetzt über die Militärrepräsentanz in den Klöstern, die einem Belagerungszustand gleicht. Nach den Unruhen im Herbst sind vor allem die Klöster noch unter starker Bewachung. Der Markt in Kengtung ist besonders sehenswert, denn hier sieht man die Frauen der Bergvölker zahlreich beim Einkauf. Vor allem die Akkafrauen tragen noch ihre schwarze mit bunten Borten verzierte Tracht und ihre herrlichen Hauben mit Silberkugeln und Münzen. Wir besuchen auf schmalen Pisten noch einige Bergdörfer der verschiedenen Völker und sind begeistert von der Ursprünglichkeit.
Diametral verschieden dazu ist die Stadt Mengla, eine Art Sonderwirtschaftszone in der nur mit Yüan, der chinesischen Währung bezahlt wird, Hier errichteten die Chinesen Hotels, Restaurants und Spielcasinos um dem in China unerlaubten Laster, nun im Nachbarland zu frönen. Jedoch schieben die Chinesen diesem Spielertourismus in die Nachbarländer langsam einen Riegel vor und intervenieren bei den jeweiligen Landesregierungen, da sie Geldwäsche dahinter vermuten, denn die Hotels, Restaurants und auch Kasinos gehören meist Chinesen. So ist während unserer Anwesenheit so gut wie gar nichts in den Spielhöllen außerhalb und in der Stadt los, bzw. das große Kasino in der Stadt auf dem Hügel ist sogar geschlossen, So gibt es ein paar kleine Spieltische und einfache Glücksspiele beim Markt, aber von einem burmesischen Las Vegas ist nichts zu merken. Die chinesischen Hotels sind gähnend leer und die Restaurants suchen vergeblich nach Kundschaft. Das einzige exotische vor diesen Gasthäusern ist das lebendige Getier in Bottichen, Käfigen oder Schüsseln: Aale, Krebse, Hummer, Schildkröten, Schlangen, Buschratten und Leguane müssen darauf warten verspeist zu werden. Nur die lasierten und vorgebratenen Enten hängen bereits samt Kopf am Haken und müssen nur noch fertig zubereitet werden. Wir ziehen ein kleines einheimisches Restaurant vor, dessen Köchin und Besitzerin als eine der wenigen im Ort englisch kann und auch noch hervorragend kocht.
Nach sechs Tagen in einer winzigen Ecke des Landes, kehren wir voller Eindrücke wieder in den Norden Thailands zurück und können abermals den lebhaften illegalen Grenzverkehr über den Fluss vom Guesthouse beobachten. Der Schmuggel blüht und durch Bestechung der Beamten werden diese zum Wegschauen verdonnert. So überqueren vor allem Burmesen samt Fahrrad den Fluss um im reichen Thailand zu arbeiten, aber auch Zigaretten und anders Gut wechselt ohne Zollkontrolle die Seite. Der Preis liegt pro Monat bei 2000 Baht (42 Euro) für einen Beamten, ein gutes Zubrot.
01.02.08 Chiang Mai

Vielfältiges Thailand
Nach angenehmen Tagen der Entspannung in Khao Lak machen wir diverse Abstecher zu Thailands Ost- und Westküste. Zahlreiche kleine Teerstraßen die in vielen Karten nicht verzeichnet sind, führen zu kleinen Küstenorten und Fischerdörfern. Ban Krut ist eines von ihnen und obwohl es über kilometerlange, von Kokospalmen gesäumte Strände verfügt, gibt es kaum eine touristische Infrastruktur. Oben auf dem Berg thront ein herrlicher Tempel, der von König Bhoumipols Baumeister errichtet und vom König selbst eingeweiht wurde.
Jedes kleine Dorf hat seinen eigenen Tempel, mal mehr oder weniger sehenswert, manche kitschig, manche wahre Kleinode. Hier an der Küste findet man noch wunderschöne Plätze zum wild campen, aber auch in den zahlreichen Nationalparks des Landes gibt es in der Regel immer einen Campingplatz, manchmal sogar Mietzelte. Auch auf den Parkplätzen vor den zahlreichen Wasserfällen des Landes kann man ohne Probleme über Nacht sehen bleiben.
Besonders romantisch sind die idyllischen Standplätze zwischen den Altertümern am Rande der Historical Parks von Ayutthaya, Sukkothai oder Si Satchanalai.
Die 1000 Jahre alten Ruinen der ehemaligen Königsstädte liegen eingebettet zwischen Bäumen und Teichen oder Flusslandschaften und sind nicht nur für Touristen ein Magnet. Elefanten, die früher vor allem als Arbeitstiere im Wald Verwendung fanden und seit dem Rodungsverbot der Regierung arbeitslos wurden, werden jetzt vor allem im touristischen Bereich eingesetzt, entweder für Trekkingtouren im Urwald, kurze Ritte durch die Ruinengelände oder aber auch mit gelehrigen Kunststücken die dem Amüsement der Gäste dienen. Mehrere Elefanten-Trainings Center im Zentrum und Norden bringen den Elefanten nicht nur das nötige Wissen im Umgang mit dem Holz, sondern auch das richtige Verhalten bei Urwaldtouren und besondere Einlagen wie Paukenschlagen, Verneigen, auf der Stelle auf einem Baum drehen oder sogar das Malen bei. So kann man Bilder erwerben die Blumen zeigen oder nur Striche welche die Elefanten im Beisein der Zuschauer aufs Papier bannen. Sogar das was hinten raus kommt wird verwertet, denn man kann umweltfreundliches Papier das aus Elefantendung hergestellt wird in den Shops kaufen. Auch ein Elefantenhospital gibt es am Platze. In Thailand stößt man weit häufiger auf Elefanten als in den Nachbarländern und dank Tourismus sichert es auch das Überleben des asiatischen Dickhäuters. An unserem Standplatz oberhalb des Flusses am Rande des Historical Parks von Si Satchanalai können wir sogar kostenlos beim Elefantenbaden zusehen. Eine Elefantentrekkingtour im Khao Sok Nationalpark zeigt uns wie behutsam und vorsichtig sich diese Riesen selbst über schwierige Hindernisse wie Felsen in einem Flusstal hinwegbewegen.
Mehr und mehr sind wir von der Vielfältigkeit Thailands begeistert, sei es von der Natur über oder unter Wasser, als auch von den fantastischen Altertümern und Kunstwerken in den prächtigen Tempeln. Mehrmals finden wir sogar Unterkunft auf den großzügigen Parkplätzen der buddhistischen Klöster und schlafen wunderbar im Angesicht eines goldenen Chedi oder Buddha. Im Norden bezaubern uns die ursprünglichen Dörfer und noch intakten Kulturen der Bergvölker wie Akka, Lisu, Lahu, Hmong und Karen.
Hier im entwickelten Thailand würde man trotz Tourismus diese Vielfältigkeit kaum erwarten und wir werden überall mit erstaunlicher Freundlichkeit begrüßt. Thailands Menschen sind offen, zurückhaltend und gastfreundlich zugleich. Ganz gleich wo wir campen, wir werden nicht sofort von einer neugierigen Herde umringt sondern mit Diskretion erst mal von der Ferne, oder erst gar nicht weiter beachtet. Undenkbar z.B. in Afrika, hier aber selbstverständlich. Allenfalls gibt es eine vorsichtige Frage woher wir kommen, wohin wir wollen und wie uns Thailand gefällt. Wir halten uns deutlich länger im ehemaligen Siam auf als gedacht und sind dreimal ins Land eingereist und zweieinhalb Monate unbeschwert dort gereist.
26.12.07 Khao Lak

Durch Malaysia in Richtung Thailand
Der Campingplatz in Desaru liegt malerisch an der Küste, aber zu genau darf man nicht hinsehen. Der Strand ist verschmutzt, da hierher die Multi-Kulti-Gesellschaft Malaysias - Chinesen – Inder – Malaien, zum Picknicken und feiern kommen. Besonders nachts ist der Teufel los und Chinesen lassen lautstark nach dem zwei Uhr-Nacht-Picknick Kracher los um die Geister zu vertreiben und Glück herbeizuwünschen. Cordula und Jochen, deutsche Auto-Traveller, die wir hier mit ihrem Landrover treffen, sind schon seit vier Tagen hier und mussten schon nächtliche Picknicke mit Lagerfeuer vor ihrem Auto über sich ergehen lassen. Wenigstens kann man nach höflicher Anfrage Camper und Picknicker bitten, ihr Lager etwas weiter entfernt aufzuschlagen.
Nach etwas Erholung campen wir dann die Tage darauf wild an der Küste, aber auch hier müssen wir erst einmal rings um uns sauber machen und nachts um elf jungendliche Mopedfahrer abwimmeln, die unser Auto umrunden und rufen „is anybody here“, bis wir sie etwas sauer über die nächtliche Schlafstörung wieder weiter schicken. Die nächsten Tage verlaufen dann etwas ruhiger und bald hatten wir keine Scheu mehr in bezug auf nächtliche Lagerplatzsuche und fühlten uns auch sehr sicher in Malaysia. So standen wir z.B. in Melaka direkt beim Parkplatz der Touristeninformation in Ayer Keroh oder auch am Bahnhof von Ipoh mitten im Herzen der Stadt vor den Grünanlagen, oder sogar auf der Insel Penang, hinter Batu Ferringhi, an einem unbebauten Strandabschnitt direkt am Meer. Malaysia ist nicht unbedingt ein sauberes Land, aber die Freundlichkeit und das Problemlose Zusammenleben der verschiedenen Religionen ist angesichts der vielen Konflikte weltweit überraschend. Wir bestaunen in historischen Städten wie Melaka (Malacca) oder Georgetown die Kulturdenkmäler, Museen und verschiedenen Gebäude und Tempel (bzw. Moscheen) indischer, chinesischer oder malaiischer Herkunft. Die Natur im Land wir leider immer mehr vernichtet, denn weite Teile des Urwalds müssen Palmölplantagen, oder in den an sich wunderschönen Cameron Highlands Tee- oder Gemüseplantagen Platz machen, die mit reichlich Pestiziden Ungezieferfrei gehalten werden. Etwas anstrengend ist das feuchtheiße Klima mit fast täglichen Regengüssen und einer Temperatur bis zu 35 Grad Celsius, auch an der Westküste wo jetzt eigentlich Trockenzeit herrschen sollte. Aber das Klima schlägt auch hier Kapriolen wie in vielen Teilen der Welt. Selbst in Südthailand wo wir uns momentan zum 3. Jahrestages des Tsunami befinden, regnet es immer noch hier und da.
12.11.07 Desaru

Von Australien über Singapur nach Malaysia
Die Verschiffung von Fremantle (Australien) nach Singapur klappt reibungslos. Lediglich die Auskunft des dortigen Spediteurs, dass wir unser Fahrzeug wenn es am Freitag ankommt (Feiertag in Singapur) sicher nicht vor Mittwoch aus dem Hafen frei bekommen, führt bei uns zu unnötigen Irritationen, denn wir haben bereits die Reise von Perth nach Singapur bis Montag den 8.11. pauschal samt Hotel von Australien aus gebucht. In Singapur heißt es jedoch wir können das Fahrzeug bereits am Samstag in Empfang nehmen. Der Wermutstropfen dabei ist jedoch, dass man das Fahrzeug durch Singapur schleppen lassen muss, denn die notwendige Genehmigung auf Singapurs Straßen an bestimmten Tagen fahren zu dürfen, wird durch einen elektronischen Chip geregelt, dessen Beantragung ebenfalls Zeit und Geld kosten würde. So beißen wir in den sauren Apfel, und werden bis zur Brücke die Singapur und Malaysia trennt geschleppt, dort, nachdem wir die Ausreisformalitäten in einem gigantischen wehrhaften Grenzgebäude abgewickelt haben, abgekoppelt und unserem Schicksal überlassen. Vom interessanten und schönen, aber überregulierten Stadtstaat Singapur wechseln wir in das moslemische Malaysia, dessen Bevölkerung und so auch die Grenzbehörden überaus freundlich sind. Da wir in der Lkw-Spur die hinter uns stehenden Fahrzeuge blockieren und keine Parkbucht vorgesehen ist, dürfen wir gleich weiter bis hinter die Grenzgebäude ins Land fahren. Der Zöllner wirft nur einen kurzen Blick durch die Tür in unseren MAN, dann sind wir drin. Da wir ohne Carnet einreisen wollten, geht auch das in Ordnung und um uns den Einreisestempel zu holen müssen wir von der falschen Seite von hinten wieder zu den Einreiseschaltern. Ein freundlicher Herr geleitet uns direkt ins Chefbüro und dort bekommen wir den Stempel in einer Minute. Lediglich bei den Gesundheitsfragen auf dem Einreisezettel müssen wir schwindeln, denn dort wird nach Erkältung, Husten etc. gefragt. Wir haben uns durch die Klimaanlagen während unseres Hotelaufenthaltes in Singapur und auf Bintang Island (Indonesien) eine Lungenentzündung geholt, die uns jetzt merklich schlaucht. In Johor Bahru der Grenzstadt, steuern wir gleich die erste Tankstelle an, da hier der Sprit nur umgerechnet 30 Cents kostet. Er indisch-stämmige Besitzer lädt uns gleich zum Tee und Kuchen in seiner Tankstelle ein, da er so ein Gefährt noch nie gesehen hat. Wir dürfen Wasser in unsere Tanks füllen und können alle Einrichtung wieder so umorganisieren, dass wir wieder startbereit sind. D.h. die Plane verstauen, Kisten von innen aufs Führerhaus, Reifen vom Führerhausdach nach hinten an die Rückwand befestigen, Koffer auspacken etc. etc. Wir übernachten gleich vor der Tankstelle und bekommen noch einen Brief des Besitzers, falls die Polizei nachfragt, dass wir berechtigt sind hier zu stehen.
Am nächsten Tag flüchten wir mit Fieber und sichtlich mitgenommen nach Desaru an die Ostküste, wo es einen der wenigen Campingplätze in Malaysia gibt.
12.10.07 Perth

Von den Kimberleys nach Perth
Kurz nachdem wir Westaustralien erreichen, treffen wir auf zwei Aborigines Männer mit ihrem abgewrackten Geländewagen – sie haben eine Panne. Einer der Männer stoppt uns und wir helfen ihnen mit Wasser und Lebensmittel aus. Angeblich hängen sie hier schon seit gestern Abend, den leeren Bierdosen die am Boden liegen zu schließen, klingt das durchaus wahrscheinlich. Als wir gerade das Fahrzeug in Schlepp nehmen wollen, trifft eine befreundete Gruppe mit fünf Schwarzen ein, die nun für uns einspringen. Sie bedanken sich überschwänglich und stehen für ein paar Fotos Pose, dann geht es weiter zu unserem nächsten Ziel dem Wolf Creek Meteorit Crater, dem zweitgrößten Meteoriten-Einschlagskrater der Welt, nach demjenigen in Arizona, Der Krater ist recht beeindruckend und am netten Campingplatz am Fuße des Kraters, ein richtiges Buschcamp, werden wir mit einem prachtvollen Sonnenuntergang belohnt.
Eines der wichtigsten Ziele in Westaustralien ist der Purnululu-Nationalpark, bekannter unter dem Begriff Bungle Bungles. Die Bienenkorbartigen Felsformationen sind wirklich beeindruckend und besonders das Ende der Wanderung zur Cathedral Gorge, einem großen Felskessel mit einem Felsenüberhang und darunter liegendem Wasserbecken, umgeben von Palmen und roten, steil aufragenden Felswänden. Das dies ein heiliger Platz der Aborigines ist, lässt sich gut nachvollziehen. Auf weiteren Wanderungen durch fantastische Schluchten erschließen wir uns die verschiedenen Ziele im Nationalpark. Auf der Rückfahrt aus dem Park haben wir Reifenpanne Nr. 4, genau in einer Flusssenke die schwer einsehbar ist. Aber schnell sind andere Deutsche aus Reutlingen, ebenfalls mit eigenem Fahrzeug unterwegs zur Hilfe, kurz darauf auch noch die jungen Münchner mit ihrem MAN, mit denen wir zwei nette Abende am Campingplatz verbracht haben. So schnell gehen die Reifen dahin, dass wir froh sind, dass wir in Mount Isa zwei neue gekauft haben, in Perth brauchen wir dann noch einige neue Reifen. Da nun der Motor direkt beim Rad Luft ansaugt, wollen wir uns nicht auf die lange ungeteerte River Road durch die Kimberleys machen, denn keine der Werkstätten in der Nähe hat freie Kapazitäten, geschweige denn Teile. So geht es nur mit kleinen Abstechern direkt nach Broome an die Westküste. Das kleine Städtchen hat bezaubernde Strände und viel Tropencharme. Wir bekommen nach etwas Suche die passenden Teile und auch einen Ersatz für unsere Luftansaugung, extra gefertigt im Ofenrohr-Design, und die Werkstatt von Pinnacle Tours, die dasselbe MAN-Modell als Touri-Busse fährt, erledigt den Rest der verschiedenen Arbeiten wie Abschmieren, schweißen der Werkzeugboxaufhängung etc.
Da es nach mehreren Tagen in Broome in den Kimberleys über 40 Grad hat und die Regenzeit naht, verzichten wir auf eine Rückfahrt und steuern stattdessen den südlich gelegenen Karanjini-Nationalpark an, der ebenfalls tolle Schluchten und Wasserbecken zu bieten hat. Die Pilbara-Region, eine der Rohstoffreichsten in ganz Australien, ist das heißeste Gebiet Westaustraliens, aber bei uns klettert das Thermometer „nur“ auf 37 Grad. Die erfrischenden Wasserbecken und Wasserfälle in den engen Palmenschluchten sind der reinste Genuss, vor allem der Fern-Pool, der relativ leicht erreichbar ist. Einige der Wanderungen sind ganz schön anspruchsvoll, denn man muss sich seitlich an den Schluchtenwänden abstützen und sich an den Felsen über sprudelnden Wasserinnen entlang hangeln bis man z.B. zum Handrail-Pool gelangt, in den man nur über eine Stange und eine Schnur nach unten schlittern kann. Darauf verzichten wir gerne und werfen nur einen Blick in den Pool der in einem engen Felskessel liegt.
Nach dem anstrengenden Abenteuer folgt das beschaulichere Baden im nördlich gelegenen Millstream Park mit campen direkt am Flussufer, zuvor haben wir aber an der privaten Straße entlang der Eisenerzbahn Reifenplatzer Nr. 5, den wir wegen der laufenden Klimaanlage relativ spät registrieren und so der Reifen komplett zerfetzt ist. Nun sind alle Reifen aus Südamerika hinüber, bis auf die beiden nach Brasilien eingeflogenen auf der Vorderachse, die aber auch kaum mehr Profil haben.
Höhepunkt an Westaustraliens Küste ist der Cape Range Nationalpark mit dem 250 km langen Ningaloo-Reef, das sich ohne weiteres mit dem Great Barrier Reef messen kann. Hier kann man von diversen Spots und Campingstellplätzen im Park direkt von der Küste aus losschnorcheln und wird mit einer fantastischen Unterwasserwelt belohnt. Zwischen April und Juli kann man hier, als einen der wenigen Punkte weltweit, mit den Walhaien tauchen. Wir haben die Zeit verpasst, sehen aber direkt 100 m von unserem Camp entfernt bei Ebbe drei Schwarzspitzenhaie im Wasser herumschwimmen. Auch riesige Manta-Rochen gibt es hier, sowie Dugongs, die Seekühe, die wir aber beide nicht zu Gesicht bekommen.
Die weiteren Sehenswürdigkeiten entlang der schönen aber nur durch wenige Straßen erschlossene Küste entlang nach Süden, sind kaum der Rede wert, außerdem ereilt uns das kältere Klima im Süden, so dass das Baden endgültig für uns in Australien vorbei ist. Nach einer Woche erreichen wir Perth, unser Endziel in Australien, bevor es weiter nach Malaysia geht.
10.09.07 Halls Creek

Von Darwin nach ins Rote Zentrum.
Kurz nach unserer Rückkehr von München nach Darwin, mit Kurzaufenthalt in Dubai und Singapur, starten wir in den Süden. Unser Auto haben wir wohlbehalten abgeholt, bevor es auf die etwas über Tausend Kilometer lange Strecke entlang des Stewart Highway geht. Wir machen noch einen Abstecher in den schönen Litchfield National Park mit den Magnetischen Termiten Hügeln die streng von Nord nach Süd errichtet wurden und so einen natürlichen Sonnenschutz für die im Inneren lebenden Tiere bedeuten. Auch die wunderschönen, erfrischenden Wasserbecken in den Flüssen mit kleinen Wasserfällen als belebende Rückenmassage, genießen wir bei 35 Grad C ausgiebig.
Auf halber Strecke ins Rote Zentrum muss Klaus nach einem Reifenplatzer mitten in der Mittagshitze einen Reifen wechseln. In Afrika sind wenigstens immer sofort zahlreiche Helfer bei der Hand, hier muss er die schweißtreibende Arbeit alleine leisten. Wir haben mittlerweile drei Reifen in Australien verschlissen, in Nordamerika hatten wir keine einzige Reifenpanne.
Der erste Höhepunkt auf der etwas eintönigen Strecke sind die Marble Rocks, runde Granitfelsen von gewaltiger Höhe mit benachbartem Campingplatz. Hier gibt es putzige Rockwallabies die man bei der Morgentoilette zwischen den Felsen beobachten kann. Auch der Sonnenuntergang zwischen den Felsskulpturen ist nicht zu verachten.
Kurz vor Alice Springs zweigt eine Piste zu den East Mc Donell Ranges ab, wo wir uns bei den Agate Gem Fields mal einen Vormittag beim Edelsteinsuchen vergnügen. Hinterher wird die Achat-Ausbeute begutachtet und geschätzt. Viel Wert haben die Steine ungeschliffen nicht, aber es macht Spaß.
In den relativ wenig besuchten östlichen Mc Donalls Bergen gibt es alte Goldminen und Überreste der Städte sowie schöne Schluchten zu besichtigen, in denen man nette Wanderungen machen kann.
Alice Springs hat nicht so viel zu bieten, viele Souvenirshops und Galerien, Aborigines die in den Grünanlagen an der Todd Mall im Gras sitzen und weiter nichts zu tun haben, unzählige vorwiegend deutsche Touristen mit Mietmobilen und eine gute Versorgung auf dem Weg zum Uluru, wie der Ayers Rock nun heißt. Der Monolith ist nicht einfach so um die Ecke gelegen, sondern fast 450 km entfernt. Die Touristen stehen an einem bestimmten Aussichtspunkt am Abend Schlange um das wechselnde Licht der untergehenden Sonne, die auf den Berg fällt, einzufangen. Nach einer ausgiebigen Besichtigung der verschiedenen Stopps am Felsen, geht es am darauffolgenden Tag zu den Katja Tjutas, oder Olgas, 70 km entfernt. Dort wandern wir auf einem schönen, aber anstrengenden 7 km Rundweg durch die Felsknubbel aus Steinkonglomerat. Obwohl von der Entfernung her kürzer, dauert der Wanderweg entlang des Schluchtenrand des wiederum über 200 km entfernten Kings Canyon zeitlich länger, ist aber abwechslungsreicher. Die Sonne brennt tagsüber sogar in den Wintermonaten gewaltig, nachts ist es jedoch sehr frisch. Über die West Mc Donell Ranges und seine diversen Attraktionen wie Kratern Schluchten und Wasserbecken, geht es über Hermannsburg, einer ehemaligen deutschen Mission zurück nach Alice.
Von dort fahren wir über die Tanami-Road, einer gut ausgebauten 1000 km langen Wellblechpiste mit kaum Versorgung nach Westaustralien. Aber die Rüttelpiste hat seinen Preis, wir verlieren das Rohr der höher gelegten Luftansaugung, die Kontakte zur Batterie lösen sich, so dass wir zeitweise keinen Strom bekommen und die Aufhängung der außen liegenden Werkzeugbox brechen. So dass wir wieder mal eine Werkstatt brauchen.
14.06.07 Darwin

Über den Savanna Highway nach Darwin
Über das Atherton Tableland geht es von Cairns hinauf zum Savanna Highway. Das touristische Bergland mit seinen herrlichen Kraterseen, Regenwald, mächtigen Feigenbäumen und romantischen Wasserfällen haben wir schon auf der Anreise nach Cairns bereist, zum Glück, denn nun ist die Gegend wolkenverhangen und regnerisch. So ist es auf fast 900 m in der grünen Almwiesengegend mit Holsteiner Kühen richtig frisch. Bald weicht der Regenwald und die Landschaft wird braungelbrot mit niedriger Eukalyptussavanne. Der Savanna Highway ist nicht wie der Name vermutet eine breit ausgebaute Straße, sondern eine meist einspurige Teerstraße mit Schotterseitenstreifen auf dem man ausweichen muss, wenn einer der bis zu 53 m langen Roadtrains mit vier Anhängern entgegenkommt. Diese Lkws mit vier Anhängern transportieren Schafe, Rinder, Bodenschätze, Sprit, alles was über weite Strecken transportiert werden muss und so in der großen Menge lukrativer wird. Abgesehen von einigen Kakaduschwärmen, darunter auch kohlschwarze Rabenkakadus mit roten Schwanzfedern und Kängurus, hat die Strecke nicht viel Attraktionen zu bieten. In Normanton findet man eine Replika des größten Krokodils, das weltweit gefangen wurde – 8,65 m – wir können es angesichts der riesigen Ausmaße kaum glauben, dass so ein Riesentier tatsächlich existiert haben soll.
Von hier müssen wir nach Süden abbiegen, denn in der Bergbaustadt Mt. Isa gibt es die passenden Reifen für unseren MAN zu einem einigermaßen günstigen Preis. Zusätzlich lassen wir dann noch die Verbindungsstange zum Rahmen schweißen, auf dem unser Aufbau ruht. Diese haben wir bereits in Mexiko zweimal schweißen lassen und sie ist jetzt nach dem Pistenfahren am Cape York wieder fast durchgebrochen. Die Werkstatt in Mt. Isa geht die Sache professioneller an und setzt gleich ein komplett neues Verbindungsstück zum Rahmen ein. So ist nach eineinhalbtägiger Arbeit unser Fahrzeug hoffentlich für den Rest der Reise wieder Pistenfest.
Von der Bergbaustadt geht es nach Nordwesten in den Budjamulla-Lawnhill Nationalpark, wo in Riversleigh sensationelle Fossilien australischer Urtiere gefunden wurden. In Mt. Isa konnten wir uns im kleinen Museum etwas informieren und hier auf einem Rundgang einige der Fossilien wie Teile einer Schildkröte und eines Krokodil im umgebenden Stein eingebettet sehen. Einer der hier gefundenen Urtiere war eine Art Löwe, der aber mehr mit dem Wombat verwandt ist als mit dem afrikanischen Raubtier und eine vergrößerte Version des tasmanischen Tigers in Leopardengröße. Weiter nördlich in der Lawnhill Region des Parks gibt es in der Savanne ein canyonartiges Flusssystem mit Palmenvegetation und herrlichen Badetümpeln ohne Salzwasserkrokodile, Kajakvermietung sowie Wasserfälle und Wanderwege.
Auf der einsamen Fahrt von dort zum Kingfisher Camp und zu Golf von Carpenteria hüpfen uns zahlreiche rote Riesenkängurus über den Weg, außerdem Wildpferde und Schwärme schwarzer und rosa Kakadus kreuzen unseren Weg. Die weitere Strecke durch den Busch ist vergleichsweise fade und nur die etwa alle drei- bis vierhundert Kilometer anzutreffenden Roadhouses bieten eine kleine Abwechslung. Hier kann man meist einen kleinen Laden finden, tanken, campen und essen.
Erstes Highlight im Northern Territory sind die heißen Quellen von Mataranka mit angeschlossenem Pub und Campground. An mehreren Quellen der Region – gespeist durch das 32 Grad warme Grundwasser kann man herrlich baden, besonders abends und morgens wenn es zum beginnenden Winter schon etwas kühl ist.
Es folgen die touristischen und gut besuchten „Musts“ des Northern Territory – Katherine Gorge mit Bootsfahrt durch die Schluchten und der Kakadupark mit den zahlreichen Wassertümpeln- den Billabongs, in denen sich viele „Saltie“s tummeln. Besonders eindrucksvoll für uns war der Kampf zweier rivalisierender Krokodile im Abendlicht am Billabong von Yellow Water, bei dem die Kroks bis zu einem Meter aus dem Wasser sprangen und mit der Brust aufeinander prallten. Auch die Aboriginalmalereien im Park bei Ubirr sind lohnenswert sowie das Aboriginal Cultural Center nahe Yellow Waters.
In Darwin machen wir unser Auto am gepflegten Big 4 Campingplatz sauber und stellen es bei der MAN-Werkstatt in der Nähe für zwei Monate unter - denn wir fliegen über Singapore und Dubai nach München zum Heimaturlaub.
25.05.07 Cairns

Von Brisbane zum Cape York
Queensland mit seinen zahlreichen Zuckerrohrfeldern entlang des Pacific Highway, der meist weit weg von der Küste führt, wird nur im Norden etwas interessanter, außer man macht immer wieder Abstecher zur Küste, die aber dann um so touristischer ist. So sind die Strände rund um Noosa Heads wunderschön und das Städtchen hat Flair, aber es ist was für Strandurlauber, Outback sucht man hier vergeblich. Etwas abenteuerlicher wird es dann auf Fraser Island, der weltgrößten Sandinsel, die man nur mit Geländefahrzeug bereisen darf.
Schon auf dem Festland bevor man zum Inskip Point fährt, muss man sich ein Permit und eine Campinggenehmigung beim Nationalparkbüro oder nach Dienstschluss um vier Uhr beim örtlichen Supermarkt besorgen. Das Queensland-Camping-Vorbuchungssystem für die Nationalparks ist umständlich und schwer verständlich, denn man muss das Permit bzw. die Campingplatzreservierung zu Dienstzeiten der Büros per Internet oder telefonisch reservieren und kann nur in den seltensten Fällen vor Ort direkt zahlen oder Selbstregistrierung machen. Hier klappt es dann dank des offenen Supermarktes, dass wir am Inskip Point mit Blick zur Fähre nach Fraser Island campen dürfen und auch die kleine Gebühr von 4,50 A$ pro Person für das Campen auf Fraser Island im Voraus entrichten sowie das Fahrzeugpermit erwerben können, das dann ein Monat gültig ist. Diese Fähren sind nur 15 Min uten unterwegs und entlassen einem dann am Sandstrand den man bei Ebbe befahren kann. Es gibt zwar im südlichen Bereich eine Inlandsroute – falls keine Ebbe herrscht – aber die führt kurvig durch dichten Wald – zu eng für unser Fahrzeug. Die Strandroute 160 km entlang der Ostküste ist wunderschön und es gibt alle drei Kilometer zum Campen ausgewiesene Zonen am Rande des Buschwaldes. Hier trifft man dann auch auf Dingos, die hier geschützt sind, aber vor denen auch gewarnt wird, weil vor wenigen Jahren ein 8 jähriger Junge von den Wildhunden getötet wurde. Das besondere an Fraser Island sind seine Süßwasserseen mit herrlichem Sandstrand, die man auf tief ausgefrästen Sandpisten durch den Urwald mit 25 m hohen Bäumen erreicht. Die ganze Insel ist Naturschutzgebiet und gut besucht. Vorwiegend mieten sich junge Leute zu 9-10er Gruppen einen Toyota Landcruiser und erleben dabei ein wenig Abenteuer. Wir genießen drei Tage mit Baden, wandern und Off Road entlang der Küste und setzen dann vom Westufer in Richtung Harvey Bay über. An der Carmila Beach, wiederum mit kostenlosem Campingplatz, genießen wir zwei Tage Strand bevor wir im Eungella Nationalpark die putzigen Schnabeltiere beim Schwimmen beobachten. Hier im Inland ist weit weniger Trubel und der Park mit seinen klaren Flüssen, Wasserfällen und dichtem Regenwald ist ein lohenswerter Kontrast zur turbulenten Küstenregion. In Cairns buchen wir bei Compass Tours eine preiswerte Schiffstour hinaus zum Great Barrier Reef und sind froh dass draußen das Wetter besser wird so dass wir bei blauem Himmel aber noch unruhigem Wasser mit Wellengang Schnorcheln können. Besonders schön ist das Tauchen mit den Wasserschildkröten, die hier so zahm sind, dass man sie streicheln kann. Ein unvergessliches Erlebnis.
Die 1000 km Fahrt hinauf zum Cape York, der Nordspitze Australiens, wird für viele Leute zum ultimativen Off-Road Higlight hochgestylt, ist aber bei weitem nicht so abenteuerlich, wie vermutet. Lediglich die Vorstellung, dass die Halbinsel nur von Mai bis November bereisbar ist, weil zur Regenzeit alles unter Wasser steht, weckt Abenteuer-Feeling. Ansonsten geht es durch Urwald, Savanne und sogar Halbwüstenregionen“ immer in sanften Wellen bergauf und bergab durch Flussfurten an denen man nicht aussteigen sollte: Krokodilgefahr! Die „Salties“, bis zu 7 m große Salzwasserkrokodile sind in den Flüssen und an den Küsten des Nordens heimisch. Etwas harmloser sind die „Freshies“, die Süßwasserkrokodile die weniger aggressiv sind und nur zwei Meter lang werden. So kommt man nach tagelanger Fahrt am Kap an und steht am wunderbaren Sandstrand zum campen, aber man darf bei 32 Grad C nicht baden! Zu gefährlich meinen die Verantwortlichen und Hobby-Fischer – die hier besonders zahlreich sind – denn in den Flüssen kann man den schmackhaften bis 1,50 großen Barramundi fischen, den auch die Krokodile schätzen. So sieht man auf Cape York mehr Geländefahrzeuge mit Boot als mit Campingaufbau – allenfalls ist ein Zelt im Anhänger integriert oder ein Dachzelt auf der Kabine angebracht, - oder man schläft gleich im Swagman, dem Schlafsack der Wanderarbeiter mit integrierter Liegematte und Regenschutz – als waltzing Matilda im bekanntesten Countrysong Australiens besungen.
18.04.07 Brisbane

Von Sydney nach Brisbane
Kurz vor Ostern verlassen wir Sydney, denn endlich ist unser Man wieder startbereit.
Über die Blue Mountains geht es nach Newnes im Süden des Wollemi Nationalpark wo am am kostenlosen Campground auf der Waldwiese Hochbetrieb herrscht. Alle Arten von Geländefahrzeugen und Pkws samt Campingausrüstung sind hier zu bewundern und wir können schon ein wenig Vorgeschmack auf das Outback-life gewinnen. Jedermann sitzt samt Kind und Kegel vor dem Lagerfeuer, nur Hunde dürfen nicht mit, wie immer in den Nationalparks. Das Hinterland New South Wales ist recht lohnenswert, denn es gibt zahlreiche Nationalparks abseits des Stadttrubels wo man die Natur mit Papageien, Kakadus und Kängurus genießen kann. So im Wollemi-, Blue Mountains-, Goulburn River und im Warrumbungle Nationalpark. Letzterer hat sogar noch ein paar Kletterhighlights zu bieten wie steil aufragende Vulkanschlote á la Rumsiki in Nordkamerun. Wir begnügen uns mit einer schönen Wanderung um einen der Kegel bzw. fast hinauf, welche bereits mit dreieinhalb Gehstunden – ausgeschrieben „for advanced Bushwalkers“ genug Herausforderung für mich ist.
Im Park sehen wir zum erstenmal eine nennenswerte Anzahl an Kängurus und natürlich auch zahlreiche Vögel wie Papageien oder Kookaburras, deren dreckiges Gelächter abends weit über den netten Campingplatz hallt. Der Vogel mit dem einprägenden Lautspiel heißt auch auf deutsch „lachender Hans“ oder Jägerliest. Am wunderbaren kostenlosen Stellplatz am Gwydir River sieht man dann alle Arten von Papageien die Australiens Osten zu bieten hat, wie Galah oder Rosa Kakadu, Gelbhaubenkakadu, Loris aller Arten und auch den wunderschönen grünroten Kings Parrot. Auch richtige Urwälder gibt es noch in NSW wie den Dorrigo Nationalpark, der zum Weltkulturerbe zählt und inmitten des dichten Regenwaldes nicht nur Leierschwänze sondern auch Waldtruthähne beherbergt. Die schönen Wasserfälle entlang des Rundweges sind eine willkommene Abwechslung auf der Wanderung durch den Bergregenwald. Von hier geht es wieder an die Küste zum Bundjalung Nationalpark mit herrlichen Stränden und auch einem kleinen Schnorchelrevier und weiter nach Queensland und dessen Hauptstadt Brisbane.
Hier treffen wir sowohl Freunde aus Sydney wieder wie auch Lutz Fehling, einen alten Freund aus der Globetrotter Szene, der hier lebt. Er ist Reiseleiter und hat ein Buch zur tier- und Pflanzenwelt Australiens geschrieben, das er uns auf unsererer weiteren Reise ein treuer Begleiter wird.
28.03.07 Sydney

Sechs Wochen Sydney, so lange haben wir uns den Stadtaufenthalt in der größten Stadt Australiens nicht vorgestellt! Aber unser Problem mit dem Getriebe, das sich bereits auf der Baja California / Mexiko bemerkbar gemacht hat, stellte sich hier in der MAN-Vertretung in Blacktown, im Westen der Stadt, als Totalschaden heraus und so musste ein generalüberholtes Getriebe in Europa besorgt werden. Nach einer Woche Wartezeit in einer der schönsten Städte der Welt, traf unser MAN im Hafen in der Botany Bay ein. Sowohl der Zoll als auch die Quarantäne waren kein Problem (dank gründlicher Innen- und Außenreinigung in L.A.), aber das Entladen des Schiffs dauerte eine geschlagene Woche. Zusätzlich hatten die Leute von der Spedition in Long Beach das Fahrzeug auf eine Palette gestellt, deren Vorder- und Rückwand nicht wie sonst bei den Flatracks nach außen geklappt werden und als Auffahrtsrampe benutzt werden kann, sondern eine die nach innen geklappt wird. Wie das Fahrzeug dort hinauf kann wissen wir nach wie vor nicht, aber in Sydney mussten wir extra einen Kran bezahlen, der unseren MAN von der Palette hob. Das hat die ohnehin schon sehr teuren Verschiffungs- und Abwicklungskosten noch deutlich erhöht. Nach den Erfahrungen können wir allen Australienreisenden nur raten ihr Fahrzeug irgendwo einzulagern und in Australien ein Reisefahrzeug zu kaufen und wieder zu verkaufen. Das käme zumindest bei der Größe unseres Fahrzeugs erheblich billiger.
Nichts desto trotz genießen wir die Zeit im sommerlichen Sydney mit Baden, Stadtbesichtigungen, Ausflügen und vielen Hafenrundfahrten mit den kleinen Fähren die im Sydney Harbour-Bereich überall herumkurven. Drehscheibe aller Verkehrsaktivitäten ist der Circular Quay nahe des Operhauses, wo die Busse, die Fähren und Züge halten. Dorthin haben wir mit dem Schiff von unserem gemieteten Appartement in Neutral Bay aus nur acht Minuten Fahrzeit, so dass wir uns eine Wochenkarte kaufen mit der wir unbegrenzt im Großraum Sydney mit Bahn, Bus und Fähre herumfahren können. Aus dem siebten Stock unserer Bleibe haben wir einen herrlichen Blick auf die Neutral Bay und Cremorne Bay, zu beiden Seiten Wasser und auch noch einen großen Pool für die Hausbewohner im tropischen Garten. Als zusätzliches Schmankerl statten uns fast täglich die Gelbhaubenkakadus und die Regenbogenloris an unserem Fenster einen Besuch ab.
Ende März ist es dann endlich soweit, dass unser Getriebe eintrifft und wir dann kurz vor Ostern wieder auf Fahrt gehen.
10.02.07 Hawaii

Endlich ist unser Fahrzeug auf dem Schiff "MS Sonderburg", das am 31.1. von Long Beach Californien in Richtung Sydney Australien ausläuft, verladen. Bereits zehn Tage vorher mussten wir aus organisatorischen Gründen den Lkw bei der Spedition abgeben und vertreiben uns nun die Zeit mit der Besichtigung von Los Angeles und Umgebung sowie der Recherche nach preiswerten Flügen nach Sydney.
Über das Internetreisebüro Expedia buchen wir zwei Flüge mit Hawaiian Airlines für sage und schreibe 404 US$ pro Flug (inkl. Steuern) bis nach Sydney. So machen wir es uns noch zehn Tage auf den Inseln gemütlich, wobei wir allerdings im amerikanisierten Honolulu mit seinen Wolkenkratzern und dem überfüllten Strand von Waikiki nur zwei Tage bleiben. Die sind mit Umrundung der Insel Oahu auf der Honolulu liegt, einer kleinen Wanderung auf den Krater am Stadtrand und Kurzbesichtigung der Stadt auch schnell vorbei. Danach steuern wir Hawaii die größte Insel, deshalb auch Big Island genannt, an. In nur 35 Minuten Flug trägt uns Aloha Air über einige weitere Inseln bis wir in Hilo runtergehen. Die Hawaii-Inseln sind durch Meeresvulkane entstanden die sich wie eine Kette vom Norden der pazifischen Platte oder dem sogenannten "Ring of Fire" nach Süden zieht. Am Ende dieser Kette haben sich die tropischen Inseln mit den aktivsten Vulkanen der Welt gebildet. Seit über zwanzig Jahren fließt aus dem Pu o´o, einem kleine Seitenvulkan des Viertausenders Mauna Lea ein Lavastrom ins Meer. Erst an der Oberfläche, jetzt durch ein Lavatunnel. Vom obligatorischen Helikopterflug sieht man dort, wo die Lava durch den Tunnel läuft nur Rauchschwaden, aber gelegentlich entzünden sich auch kleine Bauminseln die zwischen den erkalteten Lavaströmen stehen geblieben sind durch die Hitze die aus der dünnen Schicht über der flüssigen Lava und durch Spalten dringt. Dort wo die Lava dann aus dem Tunnel ins Meer fließt, sieht man einen dünnen roten Strahl, der sich ins Meer ergießt und rings herum zischt und dampft es, dass man schon genau schauen muss um die glühende Lava dazwischen zu sehen.
Die Insel wird durch zwei Viertausender unterteilt, den Mauna Lea und den Mauna Kea, dazwischen verläuft die Saddle Road, über die man von Hilo über weite Lavafelder hinüber in den Westen, ins touristische Kona kommt. Durch die hohen Berge hat sich eine Wetterscheide gebildet, die dafür sorgt, dass es im Südosten meistens feucht ist und sich ein Bergregenwald mit tropischen Farnbäumen gebildet hat, während der Westen meist sonnig und grün, der Nordwesten sogar wüstenhaft ist. Wir verbringen unsere Zeit in einem gemieteten Cottage direkt am Meer bei Kapoho und erkunden von hier aus die Insel. Von unserem Balkon können wir die Wale, die jetzt im Winter entlang der Ostküste entlang ziehen, beobachten. Neben der Wanderungen im Vulcano Nationalpark und dem Hubschrauberflug, eines der eindruckvollsten Erlebnisse unserer Nordamerikatour.
24.01.07 Mexico

Durch den Kupfercanyon und hinüber zur Baja California Nordmexico entlang der industrialisierten Küste gefiel uns gar nicht, so dass wir beschlossen, doch mit dem Auto nach Creel, dem Ort nördlich des Kupfercanyons zu fahren und nicht mit dem Zug von Los Mochis aus. Auf engen Straße durch schöne bewaldete Berglandschaften ging es hinauf auf 2400 m zum Aussichtspunkt Divisadero südlich von Creel, wo auch die Züge halten. Hier hat man den besten Ausblick in die Schlucht, der zwar beeindruckend ist, aber uns angesichts der vielen wunderbaren Schluchten in den USA nicht vom Hocker riss.
Durch die Sierra Madre Occidental ging es dann über Guanacochi hinüber in Richtung Hidalgo de Parral. Über eine vermeintliche Abkürzung fuhren wir auf der Mex 24 in den Süden und wollten über eine ca. 100 km lange Pistenverbindung Cuilican am Golf von Mexiko erreichen. Jedoch endete unsere Fahrt im Wald auf immer enger werdenden Pisten, wo man Holz-Lkw ausweichen muss, nach ca. 250 km Teerstraßen und ca. 80 km Pistenfahrt, weil wir uns eines morgens mit einer Gruppe bewaffneter junger Männer (Zivilisten) konfrontiert sahen, die offensichtlich herausfinden wollten, was wir hier zu suchen hatten. Wir waren unwis-sentlich ins Drogengebiet geraten. Da wir ohnehin bereits aufgrund der schlechten Strecke und eintretenden Regenfalles wegen, den Rückzug angetreten hatten, entspannte sich die Lage und wir konnten ungehindert wieder nach Norden auf die Teerstraße zurück fahren und erreichten dann mit Umweg über Durango bei Mazatlan den Pazifik. Dort erholten wir uns erst mal von dem Schrecken und setzten nach ein paar Tagen von Los Mochis etwas nördlicher auf die Baja California über, die sich als Halbinsel von Kalifornien nach Süden erstreckt.
Von Los Mochis ist die Fähre deutlich günstiger als von Mazatlan, zumal wenn man wie wir, mit dem Lkw-Tarif abgerechnet wird.
Weihnachten und Silvester verbrachten wir auf der südlichen Baja am Strand bei Los Barriles, einem Eldo-rado für Windsurfer. Auf der Baja California gibt es zahlreiche offizielle und inoffizielle Campingplätze, wo bei letzterem die Landbesitzer nur einen geringen Betrag abkassieren kommen, aber weitere Einrichtungen fehlen. Es gibt aber auch wunderbare einsame Plätze direkt am Strand, wenn man nördlich von La Paz die Küste entlang fährt und hinüber zur Hauptstraße quert. Vielfältige Kakteenvegetation wechselt sich mit Pal-mentälern in den Senken ab, die ans südliche Marokko erinnern. Nur kleine Ranchitos, Kleinbauernhöfe, trifft man unterwegs. Zurück auf der Teerstraße ist der Verkehr stark, die Straßen sind eng und ohne Seitenstreifen und fallen links und rechts steil ab. Einem LKW auszuweichen ist mühsam und zahlreiche Kreuze an der Straße erin-nern an schlimme Unfälle auf dem Weg nach Norden. Über Tecate einer kleinen und angenehmen Grenze geht es wieder hinein in die USA, wo wir wiederum eine 3montagige Aufenthaltsbewilligung bekommen.
Wir werden aber nur wenige Wochen bleiben, denn unser Fahrzeug geht Ende Januar aufs Schiff nach Sydney, während wir mit dem Flugzeug mit Stopover in Hawaii eine Woche vorher eintreffen werden.
17.12.06 Vulkane und rote Canyons

Über die relativ kleine Grenze nahe Fort Langley (British Columbia) in Richtung Bellingham (USA) im Staate Washington, war die Einreise wieder mal unproblematisch. Auch weitere drei Monate Aufenthalt mit neuer Einreisebewilligung zu bekommen, obwohl unser eingeklebtes Visa noch 14 Tage gültig war, gelang uns nach Darstellung unserer weiteren Reisepläne ohne Schwierigkeiten. Das Auto selbst wurde nur geröntgt, aber nicht zusätzlich von innen kontrolliert, so dass unsere Lebensmittel unbeanstandet blieben. Nahe an den nördlichen Vulkanen der Cascades, ging es zunächst erst mal nach Seattle, wo uns der dort typische Regen gleich weiter nach Süden vertrieb. Südliche Tacoma wollten wir dann doch unbedingt zum Mount St. Helens, der sich uns gegenüber gnädig, und ab Mittag fast wolkenfrei zeigte. Mit dem Fernglas konnte man den Lavadome und die Rauchfahne des sehr aktiven Vulkans gut ausmachen. Besonders ein-drucksvoll waren die diversen Originaldokumente und Filme des Ausbruchs von 1987 in den verschiedenen Visitor Centers, im Cinedome am Anfang der Straße zum Nationalpark sogar im Breitwandformat. Die Oregonküste mit den langen, wunderschönen Stränden gefiel uns gut, aber der Betrieb selbst noch En-de Oktober und die hohen Preise schreckten uns dann doch etwas. Ein Höhepunkt war jedoch die Möglich-keit, direkt von einem der Parkplätze an der Straße die Grauwale zu beobachten, die jetzt wieder auf dem Weg von Kanada nach Süden waren.
Ein weiteres Superlativ im Landesinneren ist jedoch der Crater Lake, ebenfalls in der Bergkette der Casca-des gelegen. In wunderschöner Umgebung liegt der See auf 2100 m in einem erloschenen Vulkankrater, den man auf der Straße umrunden kann. Wir hatten Glück, die Straße war noch nicht für den Winter ge-sperrt nur ab und zu mussten wir durch kleinere Schneewehen auf der Straße.
Von dort ging es dann über die diversen Vulkannationalparks entlang der Cascades nach Süden und durch herrliche einsame Wälder in Nordostkalifornien, bis nach Nevada ins Spielerparadies Reno und entlang des Highway 50 ins Great Basin. Auch dort bieten sich fantastische Campingmöglichkeiten sowohl wild als auch im Nationalpark. Utah mit seinen touristischen Highlights wie Zion, Bryce Canyon, Capitol Reef N.P., Arches N.P. und Cany-onlands erlebten wir bei strahlendem Spätherbstsonnenwetter und mit erträglichem Touristenaufkommen. Besonders beeindruckten uns die in allen Farben schillernden Laubwälder vor den steil aufragenden roten Felswänden im Zion-Park und die wunderbare Felsbogenlandschaft im Arches-Park. Der Canyonlands N.P. ist ein Offroader Paradies, sofern das Wetter mitspielt. Im Oktober regnete es nach Angaben einiger Ameri-kaner in Strömen und die Pisten waren dann zu schlammig. Wir mussten eine Pistenstrecke nach Ende der Schönwetterperiode die uns im November begünstigte, wegen Schnee abbrechen, der ab 2200 m Höhe das Durchkommen unmöglich machte. Übers Monument Valley ging es dann zum Grand Canyon und nach Ari-zona, wo uns die wunderbaren Kakteenwüsten begeisterten und vom Organ Pipe N.Park wieder hinüber nach Mexiko.
16.10.06 Natur pur

Auch wenn die Reise durch das zweitgrößte Land der Erde mit Schneefall beginnt und mit Regenwetter endet, haben wir trotz der fortgeschrittenen Zeit einigermaßen Glück mit dem Wetter und noch mehr mit der Tierbeobachtung. Schon in Waterton sehen wir viele Mule Deers – Großohrhirsche und auf der Strecke auf der Forest Trunk Road nach Banff beobachten wir den ersten Elch unterhalb der Straße. Bald darauf läuft uns ein Porcupine, das amerikanische Stachelschwein, über den Weg, dessen Stacheln Widerhaken haben und seinen Feinden schlimme Verletzungen zufügen können. Vor uns flüchtet es nur sehr träge auf der Schneedecke, scheinbar selbst überrascht von dem frühen Wintereinbruch. Auch Bighorn Schafe stehen auf der Straße und lecken am Belag um Salzreste der letzten Winterstreuung zu erhaschen. Die wunderschönen Seen um Banff besichtigen wir bei trübem Wetter, dafür belohnt uns das Wetter am Tag darauf am Icefield Parkway mit strahlendem Sonnenschein aber eisiger Luft. Die schneebedeckten Felsberge dieser 230 km langen, grandiosen Gebirgsstrecke spiegeln sich in den Seen und zahlreiche Gletscher ziehen sich fast bis zum Rande der glasklaren Gewässer. Am Campingplatz Whistlers des Jasper National Parks, sehen wir dann die ersten Wapiti-Hirsche, groß wie ein Pferd. Während die Elche in Amerika Moose heißen, werden die Großhirsche Elks genannt. Wir werden gewarnt vorsichtig zu sein, denn die Bullen seien brünftig und sehr gefährlich. Wapiti und Mule Deer sehen wir noch in ausreichender Menge, aber immer noch warten wir auf einen Bären. Am Alaska Highway hinauf nach Yukon sehen wir Karibus, Dallschafe und einige Elche. Auch ein Koyote läuft uns über den Weg. Das Wetter ist wechselhaft – ein Tag Wolken und Sonne, ein Tag Regen, so fahren wir täglich große Strecken bis wir Watson Lake unseren nördlichen Wendepunkt erreichen. Der Ort ist wegen seiner Schildersammlung aus aller Welt bekannt, auch München und Freistaat Bayern sind vorhanden. Wir verewigen uns nur mit Aufkleber, dann geht es über den Cassiar Highway nach Süden. Mittlerweile hat sich das Laub goldgelb gefärbt – Indian Summer in seiner vollsten Ausprägung. Bei diesen Leuchtfarben wirkt selbst Regenwetter nicht mehr trostlos. Wald, Seen und Berge gibt es in Kanada bis zum Abwinken, ein Paradies für Wildnisfreaks. Bald sehen wir dann tatsächlich einen Bären live, direkt an der Straße beim Grasfressen. Er lässt sich nicht aus der Ruhe bringen, so dass wir ihn in Ruhe beobachten können. Bald können wir nicht mehr klagen, Bärenhintern reihenweise – aber alles Schwarzbären die schnell ins Gebüsch verschwinden. In Hyder unserer Stippvisite ins südliche Alaska gibt es ein Lachslaichgebiet, wo am sogenannten Fishing Point die Grizzlys zu beobachten sind. Auch wenn die Saison schon vorbei ist und es mehr nach totem als lebendigem Fisch riecht, die Lachse sterben nach dem Ablaichen, trottet ein Grizzly durchs Wasser und gibt uns und den reihenweise auf der Aussichtsplattform stehenden Fotografen eine Schwimmvorstellung. Auf dem Rückweg nach Prince George, am Yellowhead Highway, trabt ein Schwarzbär mitten durch den Ort New Hazelton und verschwindet in den Vorgärten der Häuser. Biber können wir auf der Farm eines Freundes nahe 100 Mile House bebachten und Buckel und Grauwale auf Vancouver Island. Die wunderschöne Insel mit Bergen, Seen und herrlichen Meeresküsten bildet den krönenden Abschluss unserer Kanadareise. Es folgen noch zwei Tage Vancouver, dann geht es zurück nach USA, wo wir dann über Oregon, Utah, Arizona zurück nach Mexiko auf die Baja California fahren werden bevor wir nach Australien verschiffen.
14.09.06 Durch den Wilden Westen

Jetzt, nach sechs Wochen USA-Aufenthalt, sind wir gerade nach Kanada eingereist und es ereilt uns bereits am Fuß der Rocky Mountains auf der Fahrt vom Glacier Nationalpark zum Waterton Park in Kanada, beides zu einem internationalen Peace Park zusammengeschlossen, der erste Schnee.
Seit unserer Einreise beim Big Bend Nationalpark in Texas, sind wir entweder in den Rocky Mountains oder an dessen Rande gereist. Da im August Hochsaison herrscht und überall Touristen, vorwiegend Deutsche mit Mietmobilen von „CruiseAmerica“ unterwegs sind, haben wir die beliebten Nationalparks in Utah und Arizona gemieden und uns am Ostrand des sogenannten „großen Westens“ von Texas über New Mexico, Colorado, Nebraska, South Dakota, Wyoming, Idaho nach Montana hochgearbeitet. Nirgendwo fanden wir belegte Campingplätze und waren auf den wunderschönen und preisgünstigen Waldplätzen des Forest Service zeitweise sogar alleine. An allen Plätzen gibt es Bänke die mit den Tischen fest verbunden sind und eine Feuerstelle mit Grillrost. Erst gegen Ende August herrschte zeitweise Lagerfeuerverbot, denn die Waldbrände erreichten dieses Jahr im Westen wieder einen neuen Rekord. Zeitweise hatten wir richtiges Wildwestfeeling, denn nicht nur Country Music begleitete uns im Radio, sondern auch Straßenschilder mit Oregontrail und aufgemalten Planenwagen und das Bild eines Rodeoreiters auf dem Nummernschildern von Wyoming. Auch Indianerteepees stehen vor den mit hervorragenden Ausstellungen bestückten Visitor Centers der National Monuments und Parks und bald sehen wir auch die ersten wild lebenden Büffel im Bad Lands National Park. Wir besichtigen am Mount Rushmore nicht nur die Köpfe der Präsidenten Washington, Lincoln, Jefferson und Roosevelt, sondern auch das noch nicht fertiggestellte, 10mal größere Monument des Warchiefs der Sioux-Indianer „Crazy Horse“. In einem riesigen Ausstellungsgelände gibt es für den nicht gerade niedrigen Eintrittspreis dann auch sehr viel Indianerkunst und Kunsthandwerk samt Traditionen zu sehen. In Cody, der Stadt Buffalo Bills fahren wir zum Nite Rodeo, einer gelungene Veranstaltung die zur Sommerzeit jeden Abend statt findet. Zu den Klängen von Country Music, sieht man neben dem Ritt auf buckelnden Pferden auch Bullriding und das Einfangen und Fesseln von Kälbern sowie ein Cowgirlwettreiten um aufgestellte Tonnen. Im Yellowstonepark treffen wir dann doch noch auf die Touristenmassen, aber die Campingplätze sind Ende August nicht mehr überfüllt, so dass wir im Norris Camp einen wunderbaren Platz am mäandernden Flusslauf finden. In Montana legen wir am wunderschönen Flathead Lake bei amerikanischen Freunden die wir in Honduras kennen gelernt hatten, eine Zwangspause ein: wir hatten im Sand Dunes Nationalpark einen Schaden am Planetengetriebe und haben uns nach einer provisorischen Reparatur bis zum Norden durch gearbeitet wo wir auf Ersatzteile aus Deutschland warteten. Nach erfolgter Reparatur und Ende der Schönwetterperiode, die uns seit vier Wochen verwöhnte, ging es dann zur nahen kanadischen Grenze direkt am Rande des Nationalparks. Der Grenzübergang hat sage und schreibe nur zehn Minuten gedauert und keiner der Grenzer inspizierte unser Fahrzeug. Statt dessen stand das Interesse an unserer Fahrt und dem Truck im Vordergrund und beinahe hätte der Mountie vergessen uns den Stempel in den Pass zu drücken. Er wünscht uns gute Fahrt und „enjoy your trip in Canada“, was wir hoffentlich tun werden, denn Kanada kennen wir bislang noch nicht.
10.08.06 New Mexico/USA

Nach mehr als viermonatiger Unterbrechung wegen Erikas kompliziertem Bruch des linken Sprunggelenks, sind wir seit Mitte Juli wieder "on the road". Der Zwischenfall hat unsere Zeitplanung natürlich mächtig über den Haufen geworfen. Von München sind wir mit über 100 kg Gepäck über Cancun nach Mexiko-Stadt geflogen, wo ich einen bolivianischen Studienfreund nach 38 Jahren erstmalig wieder treffen konnte. Nach dreitägiger Besichtigung der wichtigsten Sehenswürdigkeiten, sind wir nach Puebla gefahren wo wir unser Fahrzeug unberührt vorfinden konnten. Unser besonderer Dank gilt Meli und Jürgen Kossmehl aus Puebla, die uns nach Erikas Unfall bis zur Wiederinbesitznahme des Fahrzeugs auf so vielfältige Weise geholfen haben. In zweitägiger Arbeit haben wir es wieder startklar gemacht, uns dann die Pyramiden von Teotihuacan bei Mexiko-Stadt angesehen und sind von dort zügig nach Querétaro weitergefahren. Dort konnten wir beim neuen Montagewerk für MAN-Omnibusse (MAN-Ferrostaal) unser Fahrzeug inspizieren lassen. Insbesondere die Bremsen mußten nach 140.000 km Fahrt mal fachgerecht repariert werden. Von Querétaro ging es flott in Richtung USA. Die Einreise dauerte nur ca. eine Stunde. Das Fahrzueg wurde gründlich aber nicht schikanös durchsucht, für Fahrzeugpapiere interessierte sich niemand. Wir mußten unsere Fingerabdrücke abliefern und wurden fotografiert, aber auch das lief freundlich und keineswegs erniedrigend ab. Zweifellos haben wur mit unserer Rosenheimer Zulassung jetzt das Prädikat "Out of Rosenheim" verdient. Inzwischen haben wir es eilig um noch bei halbwegs sommerlicher oder wenigstens herbstlicher Witterung Kanada zu erreichen. Alaska mußten wir uns wegen der Verzögerung unseres Zeitplans abschminken, zu weit, zu teuer und aus dem Autofenster heraus auch wohl nicht so umwerfend (Erikas Reichweite zu Fuß ist noch begrenzt). Auch sind wir niemandem schuldig das Klisché "Panamericana von Feuerland bis Alaska" zu bedienen. Von Kanada aus soll es im Westen der USA zurück bis nach Nord-Mexiko insbesondere Baja California gehen, da ist im Winter die beste Reisezeit. Anschließend haben wir vor im Januar/Februar unser Fahrzeug von USA nach Australien zu verschiffen.
Bildunterschrift: Indianertanz in der Altstadt von Albuquerque/New Mexico
03.03.06 Cholula / Mexiko

Der Ernstfall tritt ein
Erika stürzt auf einem Stadtspaziergang über eine Unebenheit am hohen Gehsteig und zieht sich einen sehr komplizierten Knöchelbruch zu. Sie kommt sehr schnell in eine Notaufnahme einer Ambulanz in der Kleinstadt Cholula bei Puebla, dann in ein spanisches Privatkrankenhaus in der 1,5 Millionen-Stadt Puebla. Dort wird sie sofort operiert, bekommt einen Außenfixateur ohne Gips, aber der Heilungsprozess soll drei Monate dauern, an eine Weiterfahrt ist davor nicht zu denken. Deshalb fliegen wir beide am 15. März in der Business-Class der Iberia nach München zurück. Die Überführung wird durch den "MALTESER Hilfsdienst" organisiert und finanziert, bei dem wir für solche Fälle versichert sind. In München wird sie nochmals operiert , denn wie sich herausstellt, wurde der Bruch in Mexiko nicht so eingerichtet wie es wünschenswert gewesen wäre und das Gelenk drohte ohne neuerliche OP steif zu werden. Nach OP am 21.3. mit Nägeln, Platten und Schrauben versehen (ohne Gips), kann sie sich vorerst nur einbeinig auf Krüken oder im Rollstuhl bewegen. Damit ist die Weltreise erst einmal für eine ganze Reihe von Monaten unterbrochen, aber wir lernen auch das perfekte deutsche Gesundheitssystem schätzen. Jedenfalls hatten wir Glück, dass der Unfall am Rande einer Großsstadt in Mexiko und nicht im Herzen Afrikas passierte.
10.02.06 Havanna / Kuba

Flug in eine andere Welt
Schon seit unserem Aufenthalt in Venezuela hatten wir immer wieder überlegt, ob wir nicht einen Abstecher nach Kuba unternehmen sollten. Obgleich die Präsidenten von Venezuela und Kuba gut befreudet sind und politisch kooperieren, wäre es doch teuerer gewesen von Caracas nach Kuba zu fliegen. Also hoben wir uns die Entscheidung bis Mexiko auf, denn von dort sind es nur 160 km Luftlinie. Nun können wir im Rahmen einer Weltreise auf dem Landweg nicht "nebenbei" noch die Inselwelt mit abgrasen, Kuba wollten wir uns letztlich aber doch nicht entgehen lassen. Für mich waren dabei drei Argumente eines Franko-Kanadiers ausschlaggebend: Da gibt es fast keine Gringos, das Stadtbild wird nicht von Fastfood-Restaurants dominiert und in einigen Jahren, wenn Fidel Castro nicht mehr ist, wird sich alles schlagartig ändern. Wir waren also sechs Tage in Kuba, haben in einer offiziell zugelassenen Privatunterkunft in Alt-Havanna gewohnt und von dort aus ausgedehnte Rundgänge durch die Stadt unternommen. Die Bausubstanz ist marode, nur ein kleiner Teil der herrlichen Kolonialgebäude ist renoviert und die amerikanischen Oldtimer sind großartig. Die Menschen sind freundlich und entspannt, einfach aber sauber gekleidet, die Kriminalität ist für lateinamerikanische Verhältnisse sehr gering. Der Analphabetismus ist niedrig und die Lebenserwartung weit höher als in allen Nachbarländern, nur ein Jahr geringer als z.B. in Deutschland. Dass die medizinische Versorgung der Bevölkerung gut ist , erkennt man nicht nur an der Lebenserwartung, sondern auch daran, dass die Menschen ein gepflegtes Gebiss haben. Aus unserer Sicht sind die Menschen zweifellos arm, aber nicht elend, ihre Grundbedürfnisse sind gedeckt, Hoffnung auf mehr ist allerdings Illusorisch. Für den Touristen ist das Land jedoch nicht billig, denn alles muss in konvertierbaren Pesos, den CUC, bezahlt werden, welche im Verhältnis 1:1 zum Euro gehandelt werden. So gibt es kaum ein Essen unter fünf CUC und auch die Privatunterkunft kostet 25 CUC, d.h. man verbraucht als Tourist am Tag mindestens so viel wie ein Einheimischer im Monat verdient. Es war hoch interessant Kuba kennengelernt zu haben bevor es seine Identität verliert, dort leben möchten wir freilich nicht.

20.01.06 Tulum/Mexiko

Ruinenstädte der Maya bis zum Abwinken.
Es wäre mir nicht im Traum eingefallen, dass es so viele Fundstätten von Maya-Ruinen in Mittelamerika gibt. Es sollen über 70.000 "Strukturen" sein, vom überwachsenen Hügel unter dem noch unerforschte Gemäuer stecken, bis hin zur riesigen, freigelegten z.T. auch restaurierten Pyramide. Die meisten davon entstanden in der sogenannten Klassik, zwischen 200-950 nach Beginn unserer Zeitrechnung, einige davon aber auch in der Präklassik die bis zum Beginn der Mayazeitrechnung im Jahr 3114 v. Chr., oder in der Postklassik bis 1517 n. Chr., also bis zum Eintreffen der Spanier reicht. Teilweise sind die Gelände so ausgedehnt, dass man viele Stunden braucht um sie auch nur flüchtig zu besuchen. Wenn man nicht als Wissenschaftler unterwegs ist, so gilt es die passende Auswahl zu treffen, sonst endet eine Weltreise unerwartet im Maya-Land. Ein besonderes Erlebnis ist es am Sonntag relativ früh in die Ruinenstädte zu gehen, nicht deshalb weil man an diesem Tag (in Mexiko) keinen Eintritt bezahlt, sondern weil dann neben Touristen auch einheimische, oft indígene Familien fein herausgeputzt mit ihrer Kinderschar zu Besuch sind.
Wie bei vielen hochstehenden Kulturen hatten auch die Maya weit entwickelte Kenntnisse über Astronomie, Zahlen und Kalender. Eigentlich ist es nicht verwunderlich, dass man seine ganze Intelligenz in die Beobachtung der Sonne, des Mondes und der Gestirne gesteckt hat, denn ein Volk, das mittels der Astronomie den richtigen Zeitpunkt zur Aussaat bestimmen kann ist dank höherer und sicherer Ernteerträge seinen Nachbarvölkern materiell überlegen. Verwunderlich ist jedoch, über wie viele Generationen hinweg die Beobachtung der Gestirne erfolgte, das Wissen weitergereicht wurde und die mathematischen Grundlagen zu deren Auswertung geschaffen wurden.
Faszinierend ist die Vorstellung wie hochentwickelt deren Zivilisation war, obgleich diese keine Tragtiere hatte und sie das Eisen ebensowenig kannten wie das Rad. Schrecklich allerdings die Vorstellung, wie extrem diktatorisch ihr Herrschaftssystem war, das auch vor Menschenopfern nicht zurück schreckte.
28.12.05 Guatemala

"Sprung nach Mittelamerika geschafft"
Den wenigsten Menschen in Europa ist bewusst, dass es zwischen Südamerika und Mittelamerika, also zwischen Kolumbien und Panama keine Strassenverbindung gibt. Selbst in den umliegenden Ländern ist das vielen Einheimischen nicht klar. Die Grenzgegend, der "Darien" ist ein Sumpfgebiet, Drogenschmuggelregion, Nationalpark und Indianerschutzgebiet. Also muß man das Fahrzeug verschiffen. Wir haben es mit der Wallenius Wilhemsen Line RoRo vom Hafen Porto Bello in Venezuela in den Hafen Colon in Panama verschifft. Es gelang uns im letzten Moment mittels eines Arrangements mit der Hafenagentur und dem Kapitän mit an Bord des Schiffes zu kommen. Das hat uns einen Haufen Geld gespart, wir hatten das Fahrzeug unter Kontrolle und wir mußten nicht selbst den umständlichen, risikoreichen Weg mit Taxi, Flugzeug und Zug von Hafen zu Hafen antreten. Die Verschiffung des Fahrzeug über relativ kurze Distanz hat dennoch fast so viel gekostet wie die Verschiffung von Kapstadt nach Buenos Aires.
Jetzt sind wir schon wieder fast zwei Monate in Mittelamerika unterwegs von Panama über Nicaragua, Costa Rica und Honduras nach Guatemala. Über die Vulkanregionen Costa Ricas und Nicaraguas, hier ist besonders der überwältigende Nachtanblick des Lava speienden Vulcano Arenal zu erwähnen, haben wir nun die archäologisch wichtigen Sehenswürdigkeiten Mittelamerikas erreicht. Hier gilt es die Vielzahl der z.T. riesigen Ruinen der Maya-Städte zu erkunden.
Deren sehr hochstehende aber auch kriegerische Kultur ist zwar schon Ende des ersten Jahrtausends unter nicht endgültig geklärten Umständen untergegangen, ihre umfangreichen, schriftlichen, wissenschaftlichen Überlieferungen wurden jedoch erst im 16. Jahrhundert durch die spanischen Eroberer fast restlos ausgelöscht. Ein Großteil der Nachfahren der Mayas wurden von den Spaniern in religiösem Wahn in Einheit mit Gier nach Land und Edelmetallen ermordet oder in Zwangsarbeit ausgebeutet und zwangsweise christianisiert. Erst in den letzten Jahren beginnt bei den Indígenas (Indios) von Süd- und Mittelamerika ein neues Selbstbewusstsein aufzukeimen, das sich seit einigen Jahren in Venezuela und jüngst in Bolivien in der Wahl eines Indio-stämmigen Präsidenten ausdrückt. Ich kann es verstehen, wenn man es in Lateinamerika auf Dauer nicht akzeptiert noch immer von einer dünnen europäischstämmigen Oberschicht beherrscht zu werden. Ob das gut geht muß sich zeigen, jedenfalls wird in den Andenstaaten S-Amerikas und in Mittelamerika politisch noch sehr viel auf die Menschen zukommen.
20.10.05 Colonia Tovar/Venezuela

Erster Raubüberfall auf dieser Reise!
Jetzt ist es also passiert, wir wurden erstmalig auf dieser Reise Opfer eines bewaffneten Raubüberfalls. An der venezolanischen Küste zwischen Cumana und Puerto la Cruz waren wir an einem kleinen Strand (Playa Vallecito nahe der bekannten Playa Colorada). Der Strand ist von der Straße aus kaum einsehbar, weshalb wir ihn für geeignet hielten am Sonntag-Nachmittag zu baden und dann die Nacht zu verbringen zumal Camping ausdrücklich angeboten wurde. Es gibt dort ein kleines Restaurant und es waren zunächst sehr viele Tagesausflügler da. Gegen Abend um sieben Uhr, bei gerade eingebrochener Dunkelheit waren nur noch eine Gruppe venezolanischer Touristen am Strand und wir auf dem angrenzenden Parkplatz. Erika lag im Liegestuhl und las, ich reparierte im Licht meiner Außenlaterne das Schloss unseres "Geheimfachs" als zwei junge Männer von zwei Seiten zielstrebig auf uns zu kamen. Ich griff noch nach dem Pfefferspray ließ ihn aber gleich wieder sinken als in Bauchhöhe eine Pistole auf mich gerichtet wurde. Spontan entfuhr es mir in Erinnerung an den schweren Raubüberfall dem wir 1999 in Mauretanien zum Opfer fielen: "Jetzt geht das schon wieder los". Die beiden nahmen uns die Armbanduhren ab und griffen nach der Handbohrmaschine die auf dem Tisch lag. Von hinten, um das Auto herum, kam ein dritter junger Mann mit einer weiteren Pistole auf mich zu. Er nahm ungeprüft einen schäbigen, schweren kleinen Metallkoffer mit, in dem ich meine Schraubensammlung für Reparaturzwecke verpackt hatte. Ich war davon überzeugt, dass man mich jetzt zwingen würde Kameras und unser Geld herauszurücken. Es schoss mir die Frage durch den Kopf, in welcher Reihenfolge ich ihm welche Depots eröffnen würde.
Zunächst wäre das Depot mit einigen 1 US$-Scheinen, wertlosen Simbabwe-Dollars und abgelaufener Kreditkarte abgeliefert worden. Zur größten Überraschung verschwanden die drei aber nach weniger als einer Minute wieder und fuhren mit einem Motorboot weg. Warum sie es so eilig hatten wissen wir bis heute nicht.
Vielleicht vermuteten sie, dass in unserem geschlossenen Fahrzeug weitere Touristen sind und denen evtl. auch eine Waffe zur Verfügung steht. Es kann auch sein, dass sie aus der unmittelbaren Umgebung stammen und befürchteten im Schein der Außenbeleuchtung unseres Fahrzeugs von Einheimischen Beobachtern erkannt zu werden. Erika ging daraufhin im Sichtschutz des Fahrzeugs zur Kneipe, ich sprach die andere noch anwesende Gruppe von vier Venezolanern und einem Kubaner an. Sie berichteten, dass sie am unbeleuchteten Strand unmittelbar vor uns ausgeraubt worden waren. Es war ihnen Geld und Kleidung abgenommen worden, sie standen z.T. in Unterwäsche da. Alle waren, wie auch wir, froh nicht verletzt zu sein. Obgleich auch sie Opfer waren, entschuldigten sich bei uns im Namen aller Venezolaner für ihre kriminellen Landsleute. Wir versorgten sie mit der nötigen Kleidung, damit sie nicht in Unterwäsche heim fahren müssen. Weder die Leute von der Kneipe, noch die anderen ausgeraubten Touristen schienen bei der Polizei Meldung zu machen (kein Telefonnetz vorhanden). Wir verließen den Platz um in Playa Colorada vor einem Polizeiposten zu übernachten, der war aber nicht besetzt. Also campten wir im Hof eines Hotels mit Nachtwächter und fühlten uns wieder sicherer. Am nächsten Morgen fuhren wir zurück zum Strand um uns mit den Betreibern der Kneipe auszutauschen und dann weiter zu reisen. Zu unserer Überraschung trafen wir dort einen Polizisten an, dem wir so gut wir konnten berichteten, was wir beobachtet hatten. Er hörte es sich mit freundlichem Gesicht an, erwähnte, dass gestern noch zwei weitere nahegelegene Strände überfallen worden seien und das war's dann auch schon.
Wie so oft hätte es viel schlimmer kommen können, es gibt aber natürlich dennoch heftig zu Denken und verunsichert uns einigermaßen, denn sichere Standplätze sind in Venezuela rar. Nach einigen Tagen wurde uns klar, dass keiner von uns beiden die Fortsetzung der Weltreise in Frage gestellt hatte und so warten wir im noch recht sicheren, deutsch geprägten Colonia Tovar, auf die Verschiffung unseres Fahrzeugs nach Panama.

In einem SPIEGEL habe ich einen Ausspruch von Afred Hitchcock gelesen der sinngemäß lautet: "Ein Film ist wie ein Leben, aus dem aber alle langweiligen Passagen herausgeschnitten wurden". So ist es auch mit einer Weltreise, manchmal sogar wie im Krimi.
22.08.05 Venezuela

Korruption, die dunkle Seite Brasiliens.
Nach fast vier Monaten Brasilien sind wir endlich in Venezuela. Die Einreise war, auch mit Fahrzeug, problemlos.
Wir stehen nun im Campamento Ecologico Ya-Koo in Sta. Elena unseres Freundes Manfred Frischeisen, der aus München hier nach Venezuela eingewandert ist.
Der Dieselpreis ist mit 0,06 € einfach traumhaft, allerdings konnte ich bei der Tankstelle nur 60 Liter bekommen, was nicht zur Weiterreise in den Norden reicht. Heute werde ich noch einmal hinfahren, wenn ich dann wieder 60l bekomme, dann reicht es bis zur nächsten sicheren Tankstelle auf der Strasse nach Norden. Es ist schon interessant, wie es gerade in Ölstaaten wie Nigeria, Libyen, Ecuador und Venezuela immer wieder zu Versorgungsproblemen kommt.
Eigentlich möchte ich aber aus Brasilien berichten, wohin wir uns nach zweieinhalb Jahren erstmals Verschleißteile per Luftfracht haben schicken lassen. Den seit 30.000 km tobenden Kampf darum in S-Amerika geeignete Reifen zu finden hatten wir verloren, als wir zwischen Natal und Fortaleza binnen 24h zwei Totalschäden erleiden mussten. Es fehlten "nur" noch 2.000-3.000 km bis Venezuela, wo es die notwendige Reifendimension geben soll, aber ohne Ersatzreifen war an eine Weiterfahrt über die Transamazonica nicht zu denken. UNICAT, der Hersteller unseres Fahrzeugs (www.terracross.de), hat die angeforderten Reifen und bei der Gelegenheit weitere Verschleißteile binnen weniger Arbeitstage bei einer Luftfrachtspedition abgeliefert. Die hat sich so doof angestellt wie möglich, hat die Ware einschließlich unnötiger EURO-Palette verschickt, welche Frachtvolumen, Frachtgewicht und Frachtkosten massiv erhöht hat. Zusätzlich hat sie die Frachtkosten auf den Versanddokumenten falsch, 3x so hoch wie tatsächlich berechnet nach dem IATA-Tarif angegegeben. Beim brasilianischen Zoll wurden wir einem Wechselbad von Hoffnung auf zollfreie Abfertigung, Vertröstungen auf den nächsten Tag, massiven Zollforderungen (60% auf Warenwert plus Fracht), neuen Hoffnungen auf günstige Abfertigung weichgekocht. Gleichzeitig gingen die Lagerkosten im Zollager des Flughafens im Dreitagesrytmus progressiv nach oben. Ohne es auszusprechen wollte man offensichtlich sattes Schmiergeld. Die extrem nervige Prozedur dauerte sechs Tage bis zur Freigabe durch den zu kurz gekommenen, unfreundlichen Zollchef und hat unser Bild des bis dahin freundlich und zukunftsträchtig erscheinenden Brasilien wesentlich beeinträchtigt. So haben wir also auch die korrupte Fratze hinter dem wunderbaren Gesicht dieses riesigen Landes kennen gelernt.
Als wir wieder flott waren, ging es dann zügig über Teresina nach Marabá und von dort auf den westlichen Teil der Transamazonica nach Santarem. Vom erwarteten Urwald ist nur noch ein Teil erhalten und die Piste ist staubig und löchrig, aber mit einem Durchschnittstempo von 25-30 km/h in der Trockenzeit relativ problemlos befahrbar. Das schlechteste Stück beginnt dann von Ruropolis 120 km in Richtung Santarem bevor dann die Teerstraße beginnt. Von Santarem verschifften wir auf dem Amazonas nach Manaus mit LINAVE, der einzigen Gesellschaft die in diese Richtung Fahrzeuge mit Passagieren befördert. Die Fahrt war schön und geruhsam direkt in vorderster Front auf dem Ponton und wir genossen die Aussicht auf den Fluss und die Delfine.
15.06.05 Rio aus dem Busfenster betrachtet

(Rechts im Bild: Eingangsschild einer Sanitätsstation in Paraty)

Pflichtgemäß, aber mit Begeisterung haben wir uns Rio angesehen. Das heißt, wir sind am Vormittag in der Nähe des Campingplatzes, der ca. 25 km südlich am Atlantik liegt, in einen öffentlichen Bus eingestiegen um entweder in die City oder an die Copacabana zu gelangen. Das artete sofort in eine riesige Rundfahrt, zunächst um, und dann in Rio aus, denn Rios Bussystem ist zwar flächendeckend, aber sehr schwer durchschaubar. Die Busse fahren Ringrouten, wegen der Tunnels, Lagunen, Berge und Buchten mit unendlich vielen Schleifen. Wenn es mal länger geradeaus ginge, dann fahren sie noch einen Abstecher um eine abgelegene Haltestelle zu bedienen. Einen Busfahrplan gibt es nicht, an Haltestellen sind oft nicht markiert welcher Bus dort hält, und wo er hinfährt. Den Bus hält man bevorzugt an einer Haltestelle einfach an, oder steigt - eigentlich offiziell nicht erlaubt - an der roten Ampel zu. Das muß in Blitzgeschwindigkeit geschehen, denn der Bus fährt sofort los sobald man das Trittbrett betreten hat, gibt Vollgas, schaltet sehr schnell und läßt die Kupplung mit einem Ruck kommen. In Kombination mit unebener Straße und ständigen Brems-, Überhol- und Ausweichmanövern ist das ein außerordentlich dynamischer Prozess. Auf dem Weg zum Schaffner und dann zum Sitzplatz kommt man sich vor wie in einer Raumkapsel. Man muss sich ständig mit Händen oder Füßen rechts, links, oben, unten irgendwo wieder abstoßen um vorübergehend grob die richtige Bewegungsrichtung einzuhalten.
Nebenher kramt man das Kleingeld für den Fahrpreis raus, hebt auf was dabei runtergefallen ist, behält seine Wertsachen unter Kontrolle und versäumt natürlich das Wechselgeld zu prüfen. Wenn es gelingt einen Sitzplatz zu ergattern, so muß man sich auch dann noch festhalten, insbesondere wenn er gerade mal wieder mit Vollgas eine enge Schleife fährt. Bei voll besetztem Bus mag sich das erübrigen. Wir haben uns meistens gleich hinter den Platz des Schaffners niedergelassen, weil da viel Beinfreiheit herrscht. Kinder, denen es gelingt sich neben oder unter dem Drehkreuz beim Schaffnersitz durchzupressen fahren ebenso frei wie Senioren, die dank Ausweis mit Magnetstreifen das Drehkreuz ohne Verrenkung passieren können. Von unserem Beobachtungsposten neben dem erhöhten Schaffnersitz konnten wir in mehreren Bussen beobachten wie die Schaffner systematisch falsch herausgeben. Es ist ja auch ausgesprochen unsozial das Wechselgeld des Schaffners nachzuzählen oder ihm gar gleich den passenden Betrag zu geben. Wovon soll er und seine Familie denn leben, wovon Fahrer und Vorgesetzten etwas abtreten, wenn er nicht nebenher etwas Überschuss machen kann. Sein regulärer Lohn beträgt nur 100 € monatlich, wovon er knapp 200 Busfahrten bezahlen könnte. Erst mit der Zeit wurde uns klar, dass der Platz direkt beim Schaffner doch nicht so gut ist, denn es kommen immer wieder Kontrolleure herein und schöpfen das Bargeld des Schaffners ab. Was sich zwischendrin ansammelt versteckt er zwischen Sitz und Oberschenkel, in der Hemdtasche, hinter dem Gürtel oder steckt es in eine am Boden verschraubte Stahlkasse mit Geldschlitz. Die Busse scheinen also immer wieder mal ausgeraubt zu werden. Da muß man als Gringo nicht gerade direkt daneben sitzen und die Räuber auf dumme Gedanken bringen.
Naja Besichtigungen haben natürlich auch stattgefunden, aber da die Tage jetzt zu Winteranfang (27°C) kurz sind und wir nicht im Dunkeln unterwegs sein möchten, müssen wir schon bald wieder den zweistündigen dynamischen Rückzug per Bus zum Campingplatz antreten.
27.04.05 Uruguay

Die ersten 100.000 km sind `rum.
Mit wiederholtem Wechsel über die Anden zwischen Argentinien und Chile haben wir uns auf der "Carretera Austral" (S-Chile)und der "Ruta Quarenta" (RN 40 = Nationalstraße Nr. 40 in Argentinien)inzwischen bis Ushuaia, der südlichsten Stadt der Erde vorgearbeitet. Auf der "RN 3", auf der Ostseite Argentiniens, ging es wieder hinauf bis Buenos Aires. Patagonien ließ nichts zu wünschen übrig, bei zumeist gutem Wetter konnten wir die berühmten schroffen Felsnadeln des "Fitzroy" ebenso bewundern wie die Gebirgslandschaft des "Torres de Paine" Nationalparks, den "Perrito Moreno"-Gletscher und die rauhe See des Beagle-Kanals. Auf der chilenischen Seite der Anden, auf der eigentlich einsamen "Carretera Austral"-Schotterpiste trafen wir einige Traveller mit ihren fernreisegeeigneten Wohnmobilen, aber auch verblüffend viele Fahrrad-Traveller, die sich auf rauher Piste, bei starkem Wind, zeitweise Regen und Bergaufstrecken abplagten. Ich kann es mir nicht verkneifen mein Unverständnis dafür auszudrücken, dass man sich über Wochen oder Monate unter widrigsten Verhältnissen dermaßen abplagt um dann auf der Landkarte einen eindrucksvollen Strich einzeichen zu können, der zeigt was man abgestrampelt hat. Jeder spinnt auf seine Weise, so wie wir auf unsere. Das ist eben das Schöne an der Weltreise, dass man niemandem Rechenschaft schuldig ist, was man machen möchte und warum.
Kurz vor Buenos Aires hatten wir die ersten 100.000 km der Weltreise erreicht und verabschiedeten uns wenige Tage später wehmütig von Argentien in Richtung Uruguay. Die Grenzabfertigung war ebenso problemlos und flott wie freundlich. Wir erhielten ohne danach zu fragen 3 Monate Aufenthaltsrecht als Touristen im Pass und das Recht das Fahrzeug bis zu einem Jahr im Land zu belassen. In Grenznähe, wenige Kilometer hinter der eindrucksvollen Spannbetonbrücke über den Rio Uruguay, der die beiden Länder trennt blieben wir zwei Nächte auf einem hübschen Campingplatz am Wasser nahe Fray Bentos. Am zweiten Abend ruhte ich nach dem Abendessen in der Dunkelheit vor dem Fahrzeug aus und genoss den Sternenhimmel, als sich ein Besucher vorstellte. Es war der Reporter eines örtlichen Privatsenders, der einige Fragen zu unserer Weltreise aufzeichen wollte. Ohne das Glas Rotwein, das ich zuvor genossen hatte, hätte ich das Ansinnen vermutlich glatt abgelehnt, denn meine Spanischkenntnisse beschränken sich auf das Wichtigste und ich würde mir nicht selbst zuhören wollen. Das Interview verlief dennoch einigermaßen, die spanischsprachige Weltpresse ist allerdings nicht drauf angesprungen, so dass ich jetzt wieder meine "Königlich Bayrische Ruah" habe.
15.03.05 Patagonien/Argentinien

"Spritzige Angelegenheiten im nördlichen Patagonien"
S-Chile ist bekannt für seine großartigen Seen-, Wald- und Berglandschaften, wobei alles noch von perfekt kegelförmigen, schnee- und gletscherbedeckten Bilderbuchvulkanen überragt wird. Einer dieser Vulkane, der Villarrica ist aktiv und man kann ihn mit Bergführer besteigen. Uns war klar, dass das für uns eine einzigartige Gelegenheit ist das Naturphänomen "Vulkanismus" mal ganz aus der Nähe zu betrachten. Also engagierten wir über die sehr schöne Bungalowanlage Club Los Ulmos des deutschen Arztes Ekart von Wedelstaedt, als Führer den bekannten Bergsteiger Hans Saler aus München, der sich in Chile niedergelassen hat, als zugelassenen Bergführer. Erst ging es 400 Höhenmeter mit dem Ski-Lift nach oben, dann 1.000m in etwas über vier Stunden zu Fuß, z.T. mit Steigeisen im Schnee. Der Blick in den Vulkankrater ließ nichts zu wünschen übrig. Im Abstand von einigen Minuten spritzte er in lauten Eruptionen glühende Lava in die Höhe, die sich in der Nähe des Schlundes niederschlug. Wenn der Wind drehte wurden wir von ätzender, zum heftigem Husten reizender Luft umschlossen. Der Abstieg ging noch mehr in die Knochen als der Aufstieg, weil der Lift (hier im Süd-Sommer) nur in den Morgenstunden läuft, um die Bergsteiger die ersten 400m nach oben zu befördern. Dann ist die Kasse gefüllt und der Lift wird abgestellt. Also mußten wir 1.400m über Feuchtschnee und Vulkanasche wieder absteigen, was doch heftig in die Gelenke ging.
Zwei Wochen später, nach eindrucksvoller Fahrt auf der landschaftlich einzigartigen "Carretera Austral" in S-Chile mit Gletschern, klistallklaren Flüssen und türkisblauen Bergseen, gelangten wir zum kleinen Ort "Puerto Tranquillo" am "General Carrera-See", dem zweitgrößten See Südamerikas, der auf der argentinischen Seite "Lago Buenos Aires" heißt. Wir charterten ein kleines Motorboot um zu den dort bekannten Höhlen aus Marmor zu gelangen, in die man mit dem Boot einfahren kann. Die Spritztour sollte 1 1/2 Stunden dauern, was sich aber als nicht haltbar erwies. Die Wellen außerhalb des "Puerto Tranquillo" ("Ruhiger Hafen") waren über zwei Meter hoch und machten der offenen Nussschale, wie auch uns erheblich zu schaffen. Der erfahrene Bootsführer hatte zwar eine ausgefeilte Technik die Wellen anzufahren, auf ihnen zu drehen und dann mit ihnen zu "surfen", aber letztlich wollten wir ja ein Ziel erreichen und nicht die Fahrtrichtung durch den Wellengang vorgeben lassen. Wegen des gedrosselten Tempos des Bootes und der Schlangenlinienfahrt um die Wellen zu meistern, dauerte die Fahrt dann auch geschlagene drei Stunden. Die Marmorhöhlen, in ruhigerem Gewässer einer Bucht gelegen, waren die Fahrt zweifellos wert, aber unsere Angst bei der Rückfahrt zu Kentern verflog erst, als wir völlig durchnässt von der wackeligen "Spritztour" wieder den rettenden Hafen "Puerto Tranquillo" erreichten.
10.02.05 Santiago de Chile

Die Rückreise aus Ecuador in Richtung Peru gestaltete sich etwas stressig, denn der ecuadorianische Zoll war mit meinem Einreisepapier für das Fahrzeug aus Macara sehr gefordert. Nach 2 1/2 Stunden Wartezeit hatte man sich darauf geeinigt, wie das Einreisepapier wieder gelöscht werden könnte. Ein Zöllner fuhr mit uns über die Grenze zum peruanischen Zoll und ließ sich in 5-facher Ausfertigung bescheinigen, dass das Fahrzeug dort eingetroffen ist. Im Unterschied zur gut organisierten Grenzstation Macara ist die Grenze in Huaquillas echt chaotisch und zur Einreise mit dem Auto ohne Carnet keinesfalls zu empfehlen.
In Nordperu feierten wir ein sehr nettes Silvesterfest auf einem Campingplatz des Spaniers Leon Millan an der Küste, konnten dort noch baden und Sonne tanken, bevor wir mit einem Münchner Paar im Schlepptau weiter in Richtung Trujillo fuhren. Dann ging es 3.000 Kilometer zwischen Wüste und Küste durch Peru zurück in Richtung Chile, natürlich mit Abstechern zu den vielen historischen Attraktionen dieses vielfältigen Landes.
Die Einreise nach Chile gestaltet sich mal wieder so wie man das von den "Preussen Südamerikas" zu erwarten hat. Immigration, Zoll, S.A.G. und Carabinieris walten ihres Amtes. Der Zoll und die Lebensmittelaufsicht S.A.G. inspizieren gemeinsam das Fahrzeug. Es dürfen keine frischen Lebensmittel eingeführt werden. Das ist extrem lästig, denn man muss schon lang im Vorfeld Butter, Käse, Fleisch, Wurst, Honig, Obst, Gemüse, Nüsse etc. verkonsumieren. Nach Abgabe einer eidesstattlichen Erklärung, dass man nichts mitführt erfolgt die Kontrolle. Buspassagiere müssen an jeder Grenze sämtliches Gepäck in das chilenische Zollgebäude zur Inspektion bringen und es werden alle Taschen geöffnet. Alles passiert in korrekter, aber zeitaufwändiger Form, wie es in Europa bis Ende der 80er-Jahre allenfalls bei der Einreise in die DDR noch üblich war.
Im Norden Chiles suchten und fanden wir Abwechslung von der öden Panamericana, indem wir von Arica einen Abstecher in den "Lauca Nationalpark" in der Grenzregion zu Bolivien machten. Dort fuhren wir auf Pisten durch traumhafte Vulkankulisse in den Vicuna- und Islugapark und von dort nach Westen bis Iquique. Zurück am Meer, folgten wir der attraktiveren Küstenstraße und nicht der im Landesinneren verlaufenden Panamericana. Dann ging es über den 4.770m hohen, landschaftlich sehr schönen "Agua Negra-Pass" mal wieder für einige Tage nach Argentinien und vom dortigen Mendoza über den "Paso de la Cumbre" am Aconcagua, dem höchsten Berg Amerikas vorbei, zurück nach Chile. In Santiago ließen wir unser TerraCross - Weltreisefahrzeug ( http://www.terracross.com ) bei der gut eingerichteten MAN-Vertretung einer 100.000km-Inspektion unterziehen. Aber selbst in dieser sehr gut entwickelten 8-Millionen-Stadt ließen sich, wie schon vorher in Argentinien, Brasilien, Peru, Bolivien und Ecuador, keine neuen Reifen für unser Fahrzeug auftreiben. Die Reifendimension 365/80R20(= 14.5R20)ist hier total unüblich. Es soll sie angeblich in Venezuela geben, bis dahin hoffen wir mit einer sehr glaubwürdigen Runderneuerung über die Runden zu kommen, die wir bei Santiago an den beiden abgefahrensten unserer Reifen vornehmen ließen. Währenddessen genossen wir herzliche Gastfreundschaft bei einer deutschen Familie.
Auch das muß einmal gesagt werden: Fährt man von Bayern nach Norden, so ist man erfreut wie freundlich die Menschen sind. Fährt man nach Westen, Osten oder Süden, so empfindet man das Gleiche. Woran das wohl liegen mag? Bis auf sehr wenige Ausnahmen, die man an einer Hand abzählen könnte, wurden wir auch während der inzwischen zwei Jahre dauernden Weltreise in 37 Ländern zumindest höflich, fast immer sogar sehr freundlich und hier in Chile augesprochen zuvorkommend behandelt. Vorgestern an der Küste bei Vina del Mar, stand sogar der deutsche Botschafter in unserer Türe, der sich dort urlaubshalber aufhielt und hat sich kurz mit uns unterhalten weil er sich für unsere Reise interessierte.
17.12.04 Ecuador

Mit Ecuador konnte ich bisher nur wenige Vorstellungen verbinden und konnte mich deshalb unvoreingenommener überraschen lassen. Zwei sehr positive Überraschungen gab es gleich am Tag der Einreise. Erstens bereitete die Einreise mit dem Fahrzeug ohne das teuere CARNET keine besonderen Schwierigkeiten.
Es wurde bei der Zolldirektion in Macara, nahe der Grenze kostenlos eine Einreisegenehmigung für 60 Tage erteilt. Das Papier, das in Briefform erstellt wurde und keine besondere Bezeichnung trägt, bezieht sich auf: "Art.4 sobre la reforma al Art. 147 del Reglamento a la L.O.A publicado en R.O Nro. 425 del 21/09/2004". Das mag für andere Traveller interessant sein, die bei der Einreise mit Fahrzeug ohne Carnet Schwierigkeiten gerade bei Ecuador befürchten.
Die zweite Überraschung erlebte ich an der Tankstelle. Zunächst erschien mir der Diesel mit 1,04 US$ sehr teuer, dann wurde mir klar, dass der Preis für die Gallone (3,8l) gilt und damit sieht das schon ganz anders aus. "Ist der Diesel billig freut sich der Klaus!" Schade nur, dass Ecuador relativ klein ist und ich aus Peru noch über 200l zum doppelten Preis im Tank hatte.
Aber wir sind ja nicht zum Tanken nach Ecuador gekommen, sondern ganz wesentlich wegen eines Trips nach Galapagos. Der war dann auch wirklich umwerfend. Mit dem Kreuzfahrtschiff "Isabela II" fuhren wir sieben Tage zwischen den Inseln hin und her, machten zahlreiche Landausflüge und konnten als Schnochler auch die Unterwasserwelt erkunden. Begeisternd ist nicht nur die Andersartigkeit der Tierwelt auf den Galapagos-Inseln, sondern der Umstand, dass sie keinerlei Scheu vor dem Menschen haben. Man muss geradezu darauf achten den sich auf Lavagestein sonnenden Meeresechsen nicht auf den Schwanz zu treten. Beim Schnorcheln versuchte ein junger Seelöwe mich als Spielkamerad zu gewinnen. Zum Auftakt sprang er direkt neben mir ins Wasser, ganz knapp an mir vorbei um dann erneut auf mich zuzukommen. Es war mir schon klar, dass es ein Spiel war, aber unter Wasser sehen die Biester 25% größer aus als an Land und so ganz geheuer war es mir deshalb doch nicht. Eigentlich schade, denn das werde ich mit Sicherheit nie mehr erleben. Die schneebedeckten Vulkane zeigten sich meistens von Wolken verhüllt, so dass wir uns an die sonnige Küste begeben haben. Jetzt stehen wir direkt am Meer, auf einem sehr schönen Campingplatz mit Bungalows an der Playa Escondida, ca. 50 km südwestlich Esmeraldas und werden dort wohl Weihnachten verbringen.
(Im Bild: Meerechse sonnt sich auf einem Felsen auf Galapagos)
11.11.04 Peru

Jetzt bewegen wir uns schon zwei Monate in den Anden auf Höhen zwischen 2.500m bis deutlich über 4.000m. Mit der Zeit gewöhnt man sich ganz gut an die Höhe, nachteilig ist jedoch, dass die Abende so kalt sind, dass man sich bald nach Sonnenuntergang ins Fahrzeug zurückziehen muss. Peru wird, was uns betrifft, bisher seinem Ruf als korruptes Land mit hoher Kriminalität nicht gerecht. Wir sind allerdings auch bei der Suche nach Standplätzen und bei Stadtbesichtigungen sehr vorsichtig. Lediglich bei der Einreise ging mich die Straßenpolizei an der Grenzstation bei "Copacabana" nach einer "Contribution" an, die angeblich zur Anschaffung eines Faxgerätes dienen sollte. Bei den späteren Checkpoints an den Provinzgrenzen gab es nur einmal einen unaufdringlichen Versuch etwas einzuheimsen. Die Bevölkerung ist sehr freundlich und das Land hat ungeheuer viel zu bieten, von Präinka-Ruinen bzw. Pyramiden bei Trujillo, über die Inka-Festungen Pisaq und Machu Picchu(Bild) bis zu spanischer Kolonialarchitektur. Letztere findet einen Höhepunkt in der ehemaligen Inka-Hauptstadt Cusco. Cusco und Machu Picchu sind natürlich voller Touristen, was aber für uns kein Problem ist, weil wir uns darüber klar sind auch als Weltreisende Touristen zu bleiben. Außerdem sind wir auch ganz froh gelegentlich mal wieder Deutsch oder Englisch sprechen zu können und nicht ganz schrecklich unvollkommenes Spanisch radebrechen zu müssen. Standplätze für die Nacht finden wir meist im Hinterhof eines Hotels, erstaunlicherweise oft bei den besten Hotels am Platz wie in La Paz beim "Hotel Oberland", in Puno beim "Libertador", in Cusco beim "Club Hotel", oder in Huaraz beim "Hotel Alpina". In Lima gibt es im Stadtteil Miraflores einen ummauerten, öffentlichen Parkplatz fast direkt am Meer, wo man bewacht übernachten kann. Was den Fortgang unserer Reise betrifft beginnen wir zu ahnen, dass vier Jahre wohl nicht ausreichen werden.
Übrigens: Im http://www.Weltreise-Forum.info schreibe ich weit fleißiger als hier im "Tagebuch", das eigentlich eher den Namen "Jahrbuch" verdient. Es würde mich riesig freuen, wenn auch viele der Leser des "Tagebuchs" mal in das http://www.Weltreise-Forum.info reinsehen würden und noch erfreulicher wäre es, wenn der Eine oder Andere auch mal einen interessanten Beitrag schriebe.
Am 17. November soll in Heft 1/05, dem "Januar-Heft" der Zeitschrift TOURS ein mittellanger Artikel von mir erscheinen. Arbeitstitel: "Dokumente und Zahlungsmittel auf einer Langzeit-Autoreise".
20.10.04 La Paz/Bolivien

Nach langer Zeit raffe ich mich mal wieder auf ein "Tagebuch" zu schreiben. Das liegt auch daran, dass wir im "Südsommer" für einige Wochen in München waren und dann erst ab Salta in N-Argentinien, wo wir unser Fahrzeug abgestellt hatten, die Weltreise wieder aufgenommen haben. Jetzt bereisen wir also seit mehreren Wochen die Hochgebirgsregionen von N-Argentinien, N-Chile und Bolivien und bewegen uns ständig in Höhen zwischen 3.000m und 5.000m. Oft haben wir Probleme einen Übernachtungsplatz zu finden, der nicht höher als 3.500 m liegt, wo also die Luft nicht gar so dünn ist. Sichere Plätze in freier Wildbahn mit großartiger Aussicht zu finden ist gar kein Problem, der Lebensunterhalt ist sehr billig, das teuerste ist noch der Treibstoff, der kostet hier in Bolivien immerhin 0,35 €/Liter (in Chile deutlich mehr).
Wie schon bei meiner ersten Reise in die Anden vor ca. 15 Jahren, so bin ich auch jetzt wieder von den Hochgebirgs-Wüstenlandschaften begeistert. Schroffe, bunte Wildwestlandschaften mit bis zu 12m hohen Kakteen wechseln sich ab mit Salzseen wie dem riesigen Salar de Uyuni, dessen weiße Flächen an Schnee erinnern, oder verschiedenfarbigen Lagunas (siehe Bildchen)an denen Flamingos nach Futter suchen, mit Hochgebirgsweiden voller domestizierter Lamas und deren Wildform den Vicunas. Alles wird überragt von 5.000 bis über 6.000m hohen, schneebedeckten Vulkanen, z.T. mit heißen Quellen oder gar Geysiren in den Tälern.
Mit steigender Verwunderung lese in den mir nur zu vertrauten Sahara-Foren im Internet, wie intensiv darüber diskutiert wird, ob und wie man jetzt zum x-ten mal trotz hoher Kosten bzw. Risiken nach Libyen oder Algerien reisen kann. Ich frage mich, wie schon nach der ersten Reise, ob all die Traveller nicht einmal S-Amerika ins Auge fassen sollten, wo sie nach den hohen Kosten für die Verschiffung mit der GRIMALDI-Linie nach Argentinien, dann nur noch geringe Kosten, dafür aber Völker, Landschaften, Kulturgüter im Überfluss haben. Ein CARNET benötigen sie nicht und ihr Fahrzeug könnten